Sich tragen lassen

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Normalerweise erkennt man Mose daran, dass er zwei Gesetzestafeln in den Händen hält. So hat ihn Emil Wachter auch öfters dargestellt. An der Nordseite des Mose-Turmes sehen wir ihn aber, wie er das Volk Israel trägt. Mose hat zusammen mit seinen Geschwistern Aaron und Miriam das Volk Israel aus Ägypten geführt und es im wahrsten Sinne des Wortes vierzig Jahre lang durch die Wüste getragen. Immer wieder waren sie dabei von Hunger und Durst, von äußeren Feinden und durch Ängste bedroht. Oft lief das ganze Unternehmen Gefahr, zu scheitern. Mose wusste das zu verhindern. Er hatte durch die tatkräftige Hilfe Gottes immer das rechte Mittel an der Hand, um diese Gefahren abzuwehren. Was liegt dann näher, ihm eine tragende Rolle für die Geschichte Israels zuzuweisen. Was die Rettung und Befreiung von Israel bewirkt hat, kann auch für uns eine große Hilfe sein.
Wer sich tragen lässt, kommt gut durch die Fährnisse des Lebens, so wie das Volk Israel durch die Wüste. Andere zu tragen heißt - und alle Eltern wissen das - jemanden zu tragen, der oder die noch nicht oder selbst nicht mehr weitergehen kann. Es ist wahrscheinlich die edelste Aufgabe von Kirche überhaupt, Menschen dann zu tragen, wenn sie sich selbst nicht mehr helfen können. Dort, wo einen die eigenen Kräfte verlassen, kann man getragen werden. Wenn es nur so einfach wäre! So gerne man bereit ist, anderen zu helfen, so ungern lässt man sich selbst gerne helfen. »Das ist doch nicht nötig. Ich schaffe das auch so, wegen mir muss man keinen großen Aufwand betreiben.« Bevor ich mich tragen lassen, muss ich mir selbst eingestehen, dass ich es jetzt gerade nicht schaffe. Ich kann mich nicht mehr aufraffen, ich habe kapituliert vor dem, was mir begegnet ist. Erst wenn ich die eigene Ohnmacht gespürt habe, bin ich bereit, mich tragen zu lassen.
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Gerade für sozial engagierte Menschen ist es schwer, sich selbst zuzugestehen, dass man sich nicht mehr zu helfen weiß. Jemand, der gewohnt ist, andere zu tragen, kann schwer damit umgehen, sich selbst tragen zu lassen. Gut, wenn dann andere einspringen und Hilfestellung geben, bis hin zum Tragen. Wenn es nicht Menschen gibt, die sich selbst tragen lassen können, dann wird es auch niemanden mehr geben, der tragen kann. Überall lauern Gefahren, für Seele, Körper und Geist. Wenn es Menschen gibt, die anderen helfen, dann haben wir viel gewonnen.
 
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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