Einfach nur leben

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Das Wort »einfach« kommt in unserem modernen Sprachgebrauch sehr häufig vor. Wir verwenden es, um Anweisungen nicht so schwierig darzustellen. Wenn man einfach mal was tut, dann kommt man fast schon von alleine an die Lösung heran. Wir verwenden dieses Wort sehr unüberlegt, aber nicht zufällig, denn es verbindet sich immer mit einer Aufforderung: »Es liegt wohl nicht an der Sache, dass etwas nicht funktioniert. Wahrscheinlich hast Du jetzt noch nicht das richtige Mittel, dass es gelingen kann.« Oder so ähnlich. Das Wort »einfach« fällt auf, wenn wir darauf achten. So einfach, wie es uns über die Lippen kommt, ist es in der Regel nicht. Oft mühen wir uns ab und finden trotz aller Anstrengung kein Ergebnis. Dann ist da noch die Sache mit dem Leben, das geschieht, das sich lebt. Dem haben wir auch nichts entgegenzusetzen. Wir wollen dann »einfach nur leben«, doch wir erleben, dass das »so einfach« nicht geht.
Der Lebensbaum am linken Sitz hinter dem Altar in der Autobahnkirche fordert uns heraus, unser Leben zu betrachten. Wir können uns zugestehen, dass es nicht »einfach« ist. Da kommen von oben, von unten und von der Seite Einflüsse zusammen, die wir nicht bestimmen können. Wir stehen dann dort, wo sie sich kreuzen. Und das Kreuz tut weh, ist immer eine Herausforderung. Es steht für das Leben, das eben nicht so »einfach« ist, wie es sich sagt. Es steht für alle Schwierigkeiten, die sich »nicht einfach« überwinden lassen. Es steht für all das, wo wir Grenzen aufgezeigt bekommen, die wir eben nicht »einfach« mal überschreiten können. Der Lebensbaum erzählt aber auch von unserer Sehnsucht nach Leben und Lebendigkeit. Natürlich haben wir Ansprüche an das Leben. Doch wenn die nicht erfüllt werden, dann steht der Sinn in Frage.
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Der Lebensbaum, den wir an der Autobahnkirche oft finden, erinnert uns daran, dass wir gar nicht so viel erreichen müssen, um gut zu leben. Wir müssen nicht jedes Ziel erreichen. Wenn wir leben, können wir versuchen, ohne dieses »müssen«, das uns mindestens so leicht über die Lippen kommt wie das »einfach«, auszukommen. Es reicht aus, wenn wir nur leben, wenn wir das als das Wichtigste ansehen, was wir haben und was wir können: Leben! Es muss nicht einfach sein und wir müssen auch nicht einfach nur müssen, sondern wir leben, so wie ein baum, der ja auch nicht fragt, warum und wieso. Er lebt. So wie wir. »Einfach so!«
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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