Bilderweltarchiv 2018

 
Die Autobahnkirche Baden-Baden bietet dem Auge des Betrachters viele Anregungen. Diese Darstellungen in Beton, Glas und Email regen zum Nachdenken an. Wir werden in loser Folge auf unserer Homepage einige Bilder vorstellen und mit einer kleinen Betrachtung Denkanstöße geben. Wenn es dazu führt, das Original zu betrachten, dann freuen wir uns darüber. Denn das Gesamtkunstwerk »Autobahnkirche« ist dazu da, dass man mit ihm in Kontakt kommt.
  

Überleben kann ich nicht allein!

Alles Lebendige will leben, jeder Mensch will überleben. Es ist die menschliche Grundbedingung, dass wir leben wollen und dass wir das wahre Leben suchen. Und unser täglicher Kampf ums Überleben ist wirklich. Er stellt sich oft nicht so dar, meist ist es eher das Alltägliche, der normale Trott, der uns gefangen hält - und der etwas von diesem Überlebenskampf an sich hat. Und ganz schnell nistet sich in unseren Köpfen die Erkenntnis ein, dass ich das alleine schaffen muss, weil ich ja für mich und mein Leben verantwortlich bin. Es sind dann Schlagworte wie »Nur Du kannst Dich retten!« oder »Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!«.

Vater der Völker

Am Abrahamstor bei der Autobahnkirche findet sich eine schwer lesbare Inschrift bei der Darstellung von Abrahams Schoß. Unter dem Namenszug »Abraham« findet sich die Bezeichnung: »Vater der Völker«. Diese Beschreibung von Abraham spielt darauf an, dass sich auf ihn die drei monotheistischen Religionen berufen. Judentum, Christentum und Islam haben ihn nicht nur als Vorbild dafür, wie Glauben gelingen kann, sondern auch in der Abstammungslinie berufen sie sich auf diesen Gläubigen, oder wie es im Judentum heißt, Gerechten.

Vor Menschenthronen

Hier ist der Thron Gottes unter den Menschen. So könnte man dieses Fensterbild in der Autobahnkirche untertiteln. Es ist ein Thron und Throne werden von Menschen aufgerichtet. Es sind die Ort, die mit Herrschaft einhergehen. Vom Thron geht die Macht aus, wer auf einem Thron Platz nehmen darf oder in sich nimmt ist berechtigt, zu herrschen. Auch Religionen richten Throne auf.
Menschen wollen, dass Gott auf diesem Thron Platz nimmt, zumindest sind diese Throne Ausdruck der Sehnsucht, dass Gott seine Herrschaft wahrnimmt.

Wer beherrscht die Welt?

Nicht nur in unserer Zeit stellt sich die Frage nach dem Herrscher der Welt. Zu allen Zeiten gab es Könige und Machthaber, die den Anspruch erhoben haben, die ganze Welt zu beherrschen oder das die Sonne in ihrem reich nie unterginge. Lange blieb diese Herrschaft aber nicht bestehen, nach kurzer Zeit sind diese großen Reiche wieder zusammengebrochen und der weltweite Herrschaftsanspruch wurde wieder an andere weitergegeben oder der Thron blieb, wie es wohl die meiste Zeit war, unbesetzt.

Weil Gott sich davonmacht

Warum ist der Thron, der eigentlich Gott gehört, leer und verlassen? Gott hat sich davon gemacht. Diese Welt, seine Schöpfung interessiert ihn nicht mehr, ein Spielzeug wurde uninteressant. Oder hält Gott es nicht mehr aus, was die Menschen untereinander und mit der Schöpfung anstellen, so dass Gott sich angewidert abwendet und nichts mehr mit all dem zu tun haben will. Wie auch immer man sich den leeren Thron erklärt, auf diese Weise bleibt der Mensch allein und verlassen zurück. Der leere Thron steht dann gewissermaßen für die Einsamkeit des Menschen in der Schöpfung. Wie wird dieses Herrschaftsvakuum gefüllt?

Sicher wie in Abrahams Schoß

Die Redewendung, dass man sich so sicher fühlen kann wie in Abrahams Schoß geht auf ein Gleichnis Jesu zurück, das wiederum bei einer jüdischen Vorstellungen anknüpft. Jesus erzählt im Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus: »Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen.«. (Lk 16,22) Der Schoß Abrahams galt in der jüdischen Überlieferung als ein Ort der Seligkeit, gleichbedeutend mit dem Paradies. Dort, auch diese Vorstellung gab es, konnte man friedvoll und ohne Qualen zu erleiden auf den Messias warten. Emil Wachter greift diese Vorstellung auf.

Schlüssel zum Leben

Seit es Türen gibt, gibt es auch Schlüssel, um sie zu- und wieder aufzuschließen. Wenn wir das Haus oder die Wohnung verlassen, ist es ganz normaler Vorgang, die Tür abzuschließen oder einfach ins Schloss fallen zu lassen. Genauso normal ist es dann auch, mit dem Schlüssel diese Tür wieder aufzuschließen. Wenn Türen abgeschlossen sind, dann schütze ich mein Eigentum. Ich kann mich einschließen und entsprechend Schutz finden. Vielleicht sind unsere Türen und unsere Schlösser Ausdruck unseres Misstrauens der Welt gegenüber, die nicht ganz so funktioniert, wie wir es gerne hätten.

Sarah lacht

Verschmitzt lachen sehen wir Sarah, hinter einem Vorhang versteckt. Sie belauscht das Gespräch, das ihr Mann Abraham mit den drei Boten Gottes führt. Und was sie hört, das ist wirklich lächerlich. Sie soll im hohen Alter noch ein Kind bekommen. Das ist unrealistisch. Sie hatte doch ihr ganzes Leben lang gehofft und gebetet, der Kinderwunsch der beiden wurde nicht erfüllt. Und jetzt, wo sie die Hoffnung schon längst aufgegeben haben, soll sie schwanger werden, wo sie doch schon längst die zeit überschritten hat, in der sie Kinder bekommen kann.

Gott sei Dank

Wie oft werden diese Worte so dahergesagt, wenn etwas wider Erwarten gelungen ist oder als Ruf der Erleichterung. Oder auch nur als eine eingübte Formel ohne einen tieferen Sinn. Emil Wachter verwendet diese Worte im lateinischen Original »Deo gratias!« in einem sehr viel tieferen Sinn. An der Innenseite des Haupteingangs hat er dieses kurze, vielleicht das kürzeste Gebet überhaupt geschrieben. »Gott sei Dank!« Auch hier mag Erleichterung eine große Rolle spielen. »Gott sei Dank, ich habe diese Kirche vollendet!« Er weiß, dass er seine künstlerische Gabe und die Möglichkeit hier eine Kirche zusammen mit anderen zu bauen nicht aus sich heraus hat, sondern dass er all das einem oder etwas Größerem verdankt.

Der unbesetzte Thron

Man kann den leeren Thron, wie er in der Autobahnkirche in der nördlichen Fensterfront dargestellt ist, unterschiedlich deuten. Er könnte ja auch nie besetzt gewesen sein. Und das hat weitreichende Konsequenzen für unser Gottesverständnis. Wenn dieser Gottesthron nie besetzt war, dann gibt es Gott wohl nicht. Oder Gott hat kein Interesse daran, über die Welt zu herrschen. Das Ergebnis wäre im beiden Fällen das gleiche. Auf der Welt und in unserem Leben gäbe es keine Spuren Gottes zu sehen.
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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