Schlüssel zum Leben

Seit es Türen gibt, gibt es auch Schlüssel, um sie zu- und wieder aufzuschließen. Wenn wir das Haus oder die Wohnung verlassen, ist es ganz normaler Vorgang, die Tür abzuschließen oder einfach ins Schloss fallen zu lassen. Genauso normal ist es dann auch, mit dem Schlüssel diese Tür wieder aufzuschließen. Wenn Türen abgeschlossen sind, dann schütze ich mein Eigentum. Ich kann mich einschließen und entsprechend Schutz finden. Vielleicht sind unsere Türen und unsere Schlösser Ausdruck unseres Misstrauens der Welt gegenüber, die nicht ganz so funktioniert, wie wir es gerne hätten. Und sie sprechen auch von dem Misstrauen besonders anderen Menschen gegenüber, die in meine Privatsphäre eindringen können. Wenn ich dann jemanden einen Schlüssel gebe, ist das ein Vertrauensbeweis. Ich erlaube einzelnen ausgewählten Personen den Zutritt zu meiner Privatsphäre.
Petrus erhält die Schlüssel zum Himmelreich. Er wird deshalb oft als Pförtner an der Himmelspforte dargestellt, der darüber entscheidet, ob Menschen Zutritt gewährt werden kann oder nicht. Der Himmel steht nur auserwählten Personen offen. So suggeriert dieses Bild. Wir selbst halten diese Schlüssel nicht in Händen. Mir kommen dabei einige Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind:
Muss der Himmel abgeschlossen sein, um ihn vor unberechtigtem Zutritt zu schützen? Hält der Himmel das nicht aus? Müsste nicht für jeden Platz sein, eben weil es der Himmel ist? Haben nur ein paar wenige Auserwählte Zutritt zum Himmel, der Ort, am dem ein alles liebender Gott gegenwärtig ist? Dürfen wir uns mit einer Vorstellung abfinden, in der der Himmel verschlossen ist?
Können wir nach der Botschaft Jesu nicht getrost die Schlüssel zum Himmel verlieren, weil er für alle offen steht? Und ein Wächter an der Himmelspforte ist nicht nötig, höchstens einer, der uns freundlich die Tür aufhält und sagt: »Herzlich Willkommen, wir haben auf dich gewartet.«
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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