Gott sei Dank

Wie oft werden diese Worte so dahergesagt, wenn etwas wider Erwarten gelungen ist oder als Ruf der Erleichterung. Oder auch nur als eine eingübte Formel ohne einen tieferen Sinn. Emil Wachter verwendet diese Worte im lateinischen Original »Deo gratias!« in einem sehr viel tieferen Sinn. An der Innenseite des Haupteingangs hat er dieses kurze, vielleicht das kürzeste Gebet überhaupt geschrieben. »Gott sei Dank!« Auch hier mag Erleichterung eine große Rolle spielen. »Gott sei Dank, ich habe diese Kirche vollendet!« Er weiß, dass er seine künstlerische Gabe und die Möglichkeit hier eine Kirche zusammen mit anderen zu bauen nicht aus sich heraus hat, sondern dass er all das einem oder etwas Größerem verdankt.
Diese Dankbarkeit ist genaugenommen die christliche Grundhaltung schlechthin. Dankbarkeit gegenüber dem Leben. Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung. Dankbarkeit gegenüber den anderen Menschen, mit denen wir unser Leben teilen. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Wir würden vieles finden, wofür sich Dankbarkeit lohnt. Und wie sieht es aus, wenn wir dieses Danke auch Gott gegenüber ins Spiel bringen. Wir können es leicht zugeben, dass wir Gott gegenüber Dankbar sind. Aber wir tun uns schwer, diesen Dank in Worte zu fassen und Gott gegenüber zu äußern. Bitten und unsere Wünsche, wie wir die Welt, in der wir leben, und unser eigenes Leben gerne hätten, gehen uns leichter von den Lippen. Wir neigen sogar dazu, das, was nicht gut geht, Gott anzulasten, unseren Erfolg aber uns zuzuschreiben. Wir nehmen eher wahr, was uns fehlt als das, was selbstverständlich um uns ist. Wir schauen zurück, wir blicken nach vorn, und wir sehen eher das, was wir gerne anders hätten. Mit der Dankbarkeit gehen wir aber einen anderen Weg. Wir schauen auf das, was it und sagen »Danke!« Das ist die christliche Grundhaltung. Der Künstler ist jetzt erfüllt von der Vollendung seines Werkes und schreibt »Deo gratias!« Das Paar, das gerade die Geburt ihres Kindes erlebt hat, ist jetzt überwältigt und sagt »Gott sei Dank!«
Der Genesende spürt das Geschenk des Lebens jetzt und sagt: »Gott sei Dank!« Auch hier finden wir viele Beispiele und wir können es uns nicht oft genug ins Bewusstsein rufen. Als Christen leben wir in der Gegenwart und sagen Danke. Immer wieder! Und wenn wir das noch nicht schaffen, dann können wir es lernen. Gott sei dank!
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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