Ein Mensch schreit um Hilfe! Es ist die Haltung eines Ertrinkenden, der mit letzter Kraftanstrengung noch einmal die Arme hochreckt und auf sich und seine hoffnungslose Lage aufmerksam macht! Es ist die Haltung, die wir auch mit einem verzweifelten Gebet in Verbindung bringen können. So spricht beispielsweise der Beter aus dem Psalm 121: » 1 Ich blicke hinauf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen? 2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat!« (Psalm 121, 1-2, Übersetzung Gute Nachricht) Das ist die gläubige Bitte um Hilfe, die gleich auch eine vertrauensvolle Verheißung ausdrückt, dass Gott eingreifen wird. Diese Glaubensaussage ist aber nicht selbstverständlich, weil es nicht sicher ist, ob Gott wirklich eingreift. Im Gegenteil! Wie oft verhallt ein verzweifelter Hilferuf ungehört? Wie oft wird das Vertrauen in göttlichen Beistand enttäuscht? Da hat dann alles Bitten und Flehen nichts geholfen, das Leben oder Schicksal (oder Gott?) hat erbarmungslos zugeschlagen. Der Hilferuf ist verrauscht und das Leben geht seinen normalen Gang weiter, als ob nichts geschehen wäre. Es ist eine christliche Grundhaltung, dass wir bittend vor Gott treten können, Jesus hat dazu aufgefordert. Doch hinter dieser Haltung verbirgt sich eine Vorstellung von Gott, die nicht hilfreich ist. Es geht um die Vorstellung, dass ich Gott auf mich und mein Schicksal aufmerksam machen muss, ich muss mich bemerkbar machen, damit ich von Gott gesehen werde. Das ist die Haltung des Ertrinkenden, der um Hilfe schreit.
Es geht aber auch anders. Sich vertrauensvoll Gott überlassen, sich als Kind Gottes begreifen, das gar nicht verloren, das gar nicht untergehen kann. Ich muss nicht auf mich aufmerksam machen, wenn ich darauf vertrauen kann, dass ich ein Kind Gottes bin, dass ich im Schoß Gottes geborgen bin. Flehen und Bitten kommen da nicht vor! Aus Gottvertrauen heraus geht es nicht darum, dass ich Gott überzeugen muss, sondern dass ich einen Ort, eine Person, eine Instanz habe, an die ich meine Klage richten kann. Wenn ich klage, dann weiß ich auch, dass ich selbst alles mir mögliche tun muss, um Rettung zu finden. Und wenn es keine gibt, kann ich darauf vertrauen, dass ich geborgen bin, ganz gleich, wie das Ganze ausgehen wird.