Gibt es etwas Schlimmeres, als über den Tod von Kindern berichten zu müssen? In Nachrichten wird besonders darauf hingewiesen, wenn bei Anschlägen, Kampfhandlungen und bei Naturkatastrophen und Unfällen Kinder ums Leben kommen. Sicherlich wird diese Information eingesetzt, um die Grausamkeit des Angriffs oder deren Unrechtmäßigkeit zu demonstrieren. Das ist auch richtig so. Trotzdem ist es bedenklich, dass der Tod von Erwachsenen fast schon billigend in Kauf genommen wird. Das nur nebenbei. Der Mord an den Jungen von Bethlehem, der von Herodes angeordnet wurde, um den neugeborenen König als Nachfolger auszuschalten, wird gerne als Paradebeispiel für den Zynismus der Macht hergenommen, der vor dem Tod von Kindern nicht Halt macht. Sie werden hier nicht nur als Opfer in Kauf genommen, sie sind sogar das Ziel des Krieges, denn darum handelt es sich. Herodes führt ihn gegen sein eigenes Volk. Kriege fordern Opfer, jedes Opfer ist eines zuviel. Das wird besonders an den Kindern deutlich, die dabei umkommen. Das ist natürlich eine Meldung wert. Wieviele Kinder sind direkt oder indirekt durch Kampfhandlungen gestorben? Wie oft wird der Tod von Kindern billigend in Kauf genommen, um den Gegner zu demoralisieren und zur Aufgabe zu zwingen? An den Kindern zeigt sich die Grausamkeit von Kriegen. Sie sind Opfer und vor allem unschuldig.
Sie zahlen den Preis dafür, dass andere ihre Interessen durchsetzen wollen oder nicht mehr miteinander reden können. Am Ende stehen dann diese grausamen Bilder von toten Kindern, die blutüberströmt am Straßenrand liegenbleiben. Mit diesen Bildern wird dann, und das ist eine weitere Grausamkeit, Politik gemacht und weiter Misstrauen geschürt. Wie gehen wir mit den Bildern von ermordeten Kindern um? Nehmen wir noch das Schicksal der Kinder wahr oder sehen wir sie als Mittel zum Zweck? Was würde geschehen, wenn jedes Kind, das durch einen Krieg getötet wird, mit Namen genannt wird? Wir müssen diesen unschuldigen Opfern ein Gesicht und einen Namen geben, damit Kriege hoffentlich bald aufhören. Das mag ein frommer Wunsch sein und bleiben, aber es ändert nichts daran: Jedes Kind, das in einem Krieg getötet wird, ist ein Kind zuviel.