Lass mich doch in Ruhe!

Ziemlich genervt schaut Elia drein, als er von Gott in die Pflicht genommen wird. Er soll als Prophet auftreten. Aber er will noch nicht, im Gegenteil, dieser Anspruch, der da von Gott an ihn gestellt wird, ist ihm zu viel. Böse schaut er zu Gott zurück und entzieht sich dem Ruf. Er will seine Ruhe haben, es passt ja nicht in seinen Lebensentwurf, wenn er sich jetzt als Prophet unters Volk mischen soll, den Herrschenden die Meinung sagen muss und sich damit auch in Lebensgefahr begibt. Er will nichts mehr als seine Ruhe haben. Da ist Elia nicht nur ein Mensch seiner Zeit im alten Israel im neunten Jahrhundert vor Christus sondern auch ein Zeitgenosse von uns. Auch wir kennen diese Regung, wenn es uns zu viel wird und wir nur noch in Ruhe leben wollen. All das um uns herum geht uns auf die Nerven. Von vielen Seiten werden wir angefragt, ob wir nicht hier mithelfen können, uns dort ehrenamtlich engagieren wollen, unsere Kraft in ein Projekt einbringen sollen oder einfach nur einen Betrag einer wohltätigen Organisation spenden. Das sind sicherlich alles gute Absichten, und wir können uns vorstellen das zu unterstützen. Aber wir wollen auch in Ruhe gelassen werden und für uns sein.
Elia ist in der Darstellung von Emil Wachter ziemlich abweisend, er schaut zornig, man will ihn gar nicht gerne fragen. Er zeigt das menschliche Bedürfnis nach Ruhe, er fühlt sich überfordert durch die vielen Ansprüche, die tagtäglich an ihn gestellt werden. Wenn schon Elija, der in einer Zeit lebte, die nicht so schnell war wie die unsere, schon nach Ruhe strebt und sich entziehen will, wieviel mehr dann wir, die unter ganz anderen Umständen leben. Aber kann man Leben so vergleichen? Elia war es zu viel, gut, das heißt aber nicht, dass wir auch so denken müssen. Es ist unsere Entscheidung, was wir letzten Endes tun oder nicht. Elia hat sich dann auch für den Auftrag als Prophet entschieden. Vielleicht macht das Mut, auch selbst mutig zu entscheiden, was wir tun können und wollen, auch wenn es auf den ersten Blick überfordert?