Polit-Talk

Diskussionsrunden gehören mittlerweile zum Alltag des Fernsehprogramms. Besonderes Interesse genießen die politischen Talkrunden, in denen Politiker und Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen miteinander ins Gespräch kommen. Dieses Format ist nicht neu, einzig die große Zuschauerschaft ist ein Novum gegenüber früherer Debatten. Es hat sich aber auch etwas im Stil verändert, und das nicht unbedingt zum Guten. Konnten die Zuhörer bei früheren öffentlichen Debatten direkt reagieren und ihre Meinung kundtun, ist diese unmittelbare Rückmeldung bei den Talkshows nicht mehr gegeben. Die TeilnehmerInnen bleiben unter sich, sind sich aber des zahlreichen Publikums bewusst, das diese Auseinandersetzung jetzt im Moment mitbekommt. Da gilt es, die eigene Position klar zu zeigen und sich selbst möglichst kompetent darzustellen. Das, was ich jetzt sage, ist wichtiger als alles andere. Ich habe oft den Eindruck, dass man nicht zuhört, um dann möglichst gut darauf zu antworten, sondern dass man nur darauf wartet, sein eigenes Statement von sich zu geben, damit, wenn überhaupt, aus Höflichkeit wartet, bis der andere ausgeredet hat. Das ist dann kein Gespräch mehr, sondern die Aneinanderreihung von Verlautbarungen. Als Zuschauer muss ich mir selbst meine Meinung bilden. Dass ich mich durch dieses Gespräch als TeilnehmerIn eines Besseren besinne, ist wohl nicht vorgesehen, geschweige denn, dass ich mich dadurch verändere.
Am Elia-Turm sehen wir genau diese Situation dargestellt. In den Siebziger Jahren, als Emil Wachter diese Skulptur geschaffen hat, war die Gesprächskultur noch eine andere, doch es zeichnete sich schon diese Veränderung ab. Ein Mensch spricht und setzt seinen ganzen Körper ein, der andere schweigt und macht sich schon beim Zuhören Gedanken darüber, was wohl die Antwort sein wird. Zwischen beiden steht eine trennenden Säule. Auf diese Weise bin ich zwar anwesend, aber ich höre nicht mehr zu. Es geht nicht darum, was mein Gegenüber sagt, sondern was ich antworten werde. Für ein gelingendes Gespräch keine gute Voraussetzung. Das gilt für politische Fragen, aber auch für Fragen der Religion, der Spiritualität, der Philosophie und anderen Bereichen. Nur wenn wir wirklich zuhören, sind wir Teil des Gesprächs.