Wo sollen wir denn hin?

Was zunächst wie eine idyllische Darstellung der Krippenszene anmutet, ist in Wahrheit die Ruhe der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten. Sie sind allein, zu dritt, keine Hirten und Schafe, keine Weisen mit Geschenken, keine Engel und himmlischen Heerscharen, keine Besucherinnen und Besucher, nichts von dem, was wir mit der Krippe verbinden. Nur die Familie. Alleine und für sich. Und sonst ist niemand mehr da, der an ihrem Leben und an ihrem Schicksal Anteil nimmt. Diese Einsamkeit, ob im Lager oder wirklich allein ist das Kennzeichen der Flüchtlinge zu allen Zeiten. Sie sind und bleiben auf sich allein gestellt. Sie müssen sich durchschlagen in der Hoffnung, heil an ihrem Ziel anzukommen, wissend, dass sie es nicht alleine schaffen können und auf die Hilfe und die Bereitschaft anderer angewiesen sind.
Die Familie, die hier nach Ägypten flieht, erlebt das alles auch. Doch die bittere Wirklichkeit scheint gerade ganz weit weg. Es sieht so aus, als seien sie jetzt im Moment gerade glücklich. Eins und zufrieden mit sich und der Welt. Sie haben sich, das scheint für den Moment zu genügen. Es genügt auch. Mehr brauchen sie nicht, um wieder zu Kräften zu kommen. Alles andere wäre viel zu kräftezehrend und zu weit voraus geplant. Der Weg, der noch vor ihnen liegt, ist schwierig genug. Man spürt auch die Einsamkeit, die sie umgibt. Man sieht keine Menschen um sie herum, sie fehlen auch nicht, weil es sie nicht gibt. Nur Mutter, Vater, Kind, Maria, Josef und Jesus. Das ist die Szene , die uns anrühren kann. 
Wer kann die Einsamkeit durchbrechen? Diese Familie sicherlich nicht. Sie hat genug damit zu tun, ihren Weg zu gehen und zu überleben. Wenn niemand anderes da ist, bleiben nur noch die Betrachtenden. Sie werden hineingenommen in dieses Bild. Sie können die Einsamkeit lindern und in ihrer jeweiligen Zeit und Umgebung die Not verringern und gegen das Alleinsein angehen. Die »Heilige Familie auf der Flucht« ist eine Herausforderung für uns, aus der Komfortzone herauszutreten und Solidarität mit Flüchtenden zu leben. Braucht es sonst noch was?