So hilf mir doch!

Menschen, die wegen ihrer großen Leistungen verehrt werden, stehen im Ruf, dass sie nie an sich und ihrer Aufgabe gezweifelt haben. Sie werden deshalb als Vorbilder hingestellt, denen man nachstreben kann. Aber das stimmt so nicht. Wenn man ihre Biografien genau studiert, dann fällt auf, dass sie immer wieder gezweifelt haben. »Ist der Weg, den ich jetzt eingeschlagen habe, der richtige?« »Habe ich die Unterstützung, die ich brauche?« »Reichen meine Kräfte aus, damit ich das Ziel erreiche?« Die Liste mit zweifelnden Fragen ließe sich beliebig fortsetzen. Wahrscheinlich waren bei diesen Menschen die Zweifel größer als ihre Überzeugung. Und doch sind sie den Weg gegangen und sie hatten Erfolg. Warum ist das so? Am Mose-Turm hat Emil Wachter den Propheten Mose in genau dieser Situation dargestellt. Mose weiß nicht mehr weiter, er ist verzweifelt, die ganze Sache mit der Befreiung seines Volkes wächst ihm über den Kopf, er wird zwischen verschiedenen Ansprüchen aufgerieben, er sitzt wieder einmal zwischen allen Stühlen. Jetzt bleibt ihm nur noch eines: Der Schrei um Hilfe!
Mose erhebt seine Arme nach oben, er bittet Gott um Beistand. Er kann es nicht mehr allein richten. Das ist die Geste, mit der er zweierlei bewirkt: Zum einen lässt er das los, was ihn auf der Erde festhält. Seine Hände sind leer, er kann mit ihnen eh nichts mehr ausrichten. Zum anderen zeigt er, dass er selbst gerade nicht weiß, wie es weitergeht, er macht seinen Geist frei und überlässt es einer höheren Macht, das Blatt zu wenden.
 In diesem Moment vertraut er sich dieser höheren Macht an. Er gibt seinen Anspruch auf, dass es an ihm hängt, ob es gelingt oder nicht. Die nach oben gerichteten Hände zeigen: Er lässt die Macht, die er scheinbar in Händen hält, los. Er hat diese Macht nicht mehr. Er braucht Hilfe von anderen. Dieser Moment des Eingeständnisses der eigenen Schwäche ist aber auch ein Moment der Größe, denn jetzt ist sein Geist freier, er kann andere Wege denken, er kann all das, was er sich in den Kopf gesetzt hat, und seine Vorstellungen, wie es funktionieren kann, loslassen. Jetzt ist Platz für andere Lösungen. Der Schrei nach Hilfe macht mich frei, andere Wege zu gehen. Glücklich die Menschen, die wissen, wann und wohin sie sich hilfesuchend wenden können!