Gib uns heute tägliches Brot

Diese Bitte aus dem Vater unser ist wohl die, die wir am besten verstehen. Wir können sie als eine ganz konkrete Bitte in unsere Welt hinein verstehen, denn es geht hier wirklich darum, dass die alltäglichen lebensnotwendigen Bedürfnisse gestillt werden können. Es ist eine Grundangst des Menschen, dass nicht genügend zu Essen da ist und dass man Hunger leidet. Deshalb war und ist der Nahrungsversorgung ein Großteil der Lebenszeit gewidmet. In früheren Zeiten war der Tag mit Nahrungsbeschaffung ausgefüllt. In Zeiten der Arbeitsteilung und der Industrialisierung wurde dieser Aufwand immer geringer, man hat jetzt Zeit für andere Dinge. Dass man beim Lebensunterhalt ausschließlich an Nahrung denkt, ist nicht mehr der Fall. In unseren Breiten ist es selbstverständlich, dass kaum jemand Hunger leiden muss. Doch das ist nur scheinbar so. In Krisenzeiten greifen die alten Mechanismen und man sucht sich genügend Nahrung und hortet diese, wenn es möglich ist. Und es muss jeweils für heute reichen, wenn Horten nicht möglich ist.
Wenn aber der ganze Alltag damit ausgefüllt ist, die Nahrungsbeschaffung zu organisieren, dann ist der Mensch nur darauf fixiert und findet kaum Zeit für etwas anderes. Dann wäre es schön, wenn zumindest für die Stillung der Grundbedürfnisse gesorgt ist. Ist das der Fall, bleibt auch Zeit für anderes, für Beziehungspflege, für kulturelle Veranstaltungen, für Muße und für Spiritualität. Zudem gibt es dann weniger kriegerische Auseinandersetzungen, wenn für alles gesorgt ist. Es ist eine Voraussetzung für Frieden untereinander. So verstanden wird aus dieser Bitte im 
Vaterunser eine umfassende Bitte, die das ganze Leben umgreift. Das Essen ist die Grundlage für jede Entwicklung. Wenn davon zu wenig da ist, stockt alles und es geschieht eher ein Rückfall als dass die Menschheit weiterkommt. Das Verhalten in Kriegs- und Krisenzeiten sowie bei Katastrophen hat das gezeigt. Menschen sind sich dann selbst die Nächsten und sorgen sich nur ums eigene Überleben und das der Familie. Wenn das tägliche Brot nicht gesichert ist, dann sind alle Errungenschaften dahin. Mit dieser Bitte wissen wir darum und legen unsere Versorgung mit dem Nötigsten an Gottes Herz.