Zwei junge Menschen stehen einander gegenüber, sie sehen sich und fühlen sich zueinander hingezogen. Zwischen ihnen entsteht mit Blüten und Ranken verziert ein Band, das sie immer näher zueinander bringt. Sie lernen sich kennen, sie finden zueinander, ihre Liebe bindet sie immer enger zusammen. So kann man diese Darstellung von Emil Wachter am Abraham-Fries der Autobahnkirche deuten. Wir sehen Abraham und Sarah, oder Abram und Sarai, wie sie zu diesem Zeitpunkt noch heißen, als junges Paar, das sich findet. In der Bibel wird nichts davon berichtet, wie Abraham und Sarah sich kennenlernen, ihre Heirat und die kinderlose Ehe werden erwähnt. Als Abraham 75 Jahre alt war, Sarah war wohl kaum jünger, werden sie von Gott aufgefordert, ihre Heimat zu verlassen und nach Kanaan zu ziehen: »1 Da sagte der HERR zu Abram: ›Verlass deine Heimat, deine Sippe und die Familie deines Vaters und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde! 2 Ich will dich segnen und dich zum Stammvater eines mächtigen Volkes machen. Dein Name soll in aller Welt berühmt sein. An dir soll sichtbar werden, was es bedeutet, wenn ich jemand segne.‹« (Genesis 12,1-2, Übersetzung Gute Nachricht)
In dieser Verheißung wird nur Abraham erwähnt, aber wir können beide, Abraham und Sarah als Adressaten sehen. Ihre Liebesbande, die nicht immer so eng waren, wie es die Darstellung nahelegt, lassen sie zu einer Einheit werden. Der Segen, der über Abraham ausgesprochen wird, gilt in gleicher Weise auch für Sarah, denn die Kinder sind ja die Nachkommen von beiden. Wenn wir die Liebe ernst nehmen, die in den beiden Gestalt gewonnen hat, dann ist es auch die Verbindung der beiden, die den Segen stiftet und weitergibt.
Wir sollten uns deshalb angewöhnen, nicht nur von Abraham als Stammvater der Israeliten zu reden, sondern gleichermaßen auch Sarah als Stammmutter gleichberechtigt dazu nehmen. Die zwei gehören zusammen, sie waren ein Paar und haben miteinander einer Verheißung getraut, in deren Folge sie sich aufgemacht und ihre Heimat verlassen haben. Wir wissen heute oder setzen voraus, dass Entscheidungen partnerschaftlich getroffen werden. Dann muss auch der Segen von dieser Partnerschaft Zeugnis geben. Berufen wir uns auf Sarah und Abraham, unsere Ahnin und unseren Ahnen, und leben in diesem Segen!