Moses, der Retter

Mit geballter Faust und einem entschlossenen Gesicht sieht man Mose, wie er zum Befreier seines Volkes wird. Anfangs hat er an seiner Aufgabe gezweifelt, oft war er verzweifelt und nahe daran, aufzugeben. Doch seine Entschlossenheit hat er nie verloren und ist für sein Volk die Gestalt geworden, die Freiheit und Hoffnung verkörpert. Er hatte die entscheidende Offenbarung Gottes als »Ich bin da«. Er war es, der zusammen mit seinem Bruder vor den Pharao hingetreten ist und vergeblich um die Freiheit für sein Volk gebeten hat. Er war es, der den Zug der Israeliten aus Ägypten bei Nacht und Nebel angeführt hat. Er war es, der in der Wüste dem Volk Wasser gab. Er wagte es, in die Nähe Gottes zu gehen und die Gesetze in Empfang zu nehmen. Er musste mit der Enttäuschung leben, dass in seiner Abwesenheit das mühsam zusammen gestrickte Gebilde auseinander brach. Er handelte mit Gott einen neuen Vertrag aus und brachte das Gesetz zu seinem Volk. Er führte es letztlich an die Grenzen des Landes Kanaan. Mose ist nicht nur der Befreier der Israeliten, er ist ein Prophet, der vielen Menschen, die sich für Freiheit eingesetzt haben, zum Vorbild geworden ist. Die geballte Faust ist das Erkennungszeichen der zum Retter stilisierten Freiheitshelden.
Wie viele Freiheitshelden ist er aber nicht nur eine schillernde, sondern ebenso eine gebrochene Persönlichkeit. Er war jähzornig, hat einen Menschen erschlagen, hat sich mit seinem Volk des öfteren überworfen, weil er stur an seiner Überzeugung festgehalten hat. Er war ungeduldig und hat am Ende den Preis gezahlt, dass er selbst nicht in das gelobte Land ziehen durfte. Er starb, nachdem er einen Blick in dieses Land werfen konnte. 
All das spricht nicht unbedingt für ein Vorbild. Aber hat nicht jeder Mensch seine Schattenseiten? Stehen wir nicht tagtäglich im Konflikt zwischen unterschiedlichen Ansprüchen von außen und eigenen inneren Wünschen? Wir sind durch Macht verführbar. Wohlstand und Bequemlichkeit sorgen dafür, dass wir lieber in gewohnten Kreisen bleiben und kein Risiko eingehen. Ja, so war Moses auch, doch er lebte auch seine andere Seite und wurde so zum Retter seines Volkes. So hoch müssen wir nicht greifen, es reicht, wenn wir lediglich uns selbst retten und die Freiheit leben, auf die hin wir unterwegs sind.