Ewiger Streit

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Ziemlich versteckt und an einem Ort, an dem man es nicht erwartet, sehen wir beim Mose-Turm zwei streitende Menschen, die durch eine dicke Linie voneinander getrennt sind. Wir sehen sie auf dem Körper des Goldenen Kalbes, das unter dem Baldachin des Moses-Turmes steht. Diese beiden stehen für die Auseinandersetzung, die seit Jahrtausenden darum geführt wird, was wirklich wichtig ist und wie dem, was als göttlich anerkannt wird, die richtige Verehrung zuteil werden kann. Es ist ein erbitterter Streit, der hier ausgetragen wird, denn es geht um grundsätzliche Lebenseinstellungen, bei denen sich am Ende auch die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt. Sie gipfelt darin, dass wir fragen, wer Gott ist und wie wir Gott zum Mittelpunkt unseres Lebens machen. Als göttlich werden dabei nicht mehr nur die überirdischen Dinge ins Spiel gebracht, sondern es gibt zunehmend materielle Interessen, die um unsere Aufmerksamkeit und Verehrung buhlen. 
Zu allen Zeiten waren Menschen bereit, dem, was sie als Höchstes anerkennen, auch viel ihres Lebens unterordnen. Sie sind bereit, ihre materiellen Güter einzusetzen oder zu opfern. Die alten Israeliten sammelten ihren Goldschmuck und fertigten daraus das Stierbild, das Gott darstellen sollte. Das ist nicht neu! Immer wieder wurden Unsummen dafür verwendet, große Kirchen zu bauen. Damit wurde ein Platz geschaffen, an dem der Himmel auf die Erde kommt. Glaubenssysteme und Ideologien haben den Anspruch erhoben, der allein gültige, der allein selig machende Weg zu Heil und Erlösung zu sein. Nicht zuletzt das, was wir alltäglich tun, bekommt durch die Gewöhnung und durch die Bequemlichkeit, die wir gewinnen, einen besonderen Status. Der Streit, was denn nun wirklich wichtig ist und worauf es ankommt, findet am Ende keinen sicheren Sieger, doch es gibt viele Verlierer. 
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Wir können diesen Streit nicht endgültig lösen. Es gibt nicht die eine, richtige Gottesvorstellung oder Gottesverehrung, es gibt nicht den einzigen Lebensmittelpunkt, es gibt nicht das alles rettende System von Überzeugungen. Immer wieder müssen wir uns darüber austauschen und neu verständigen. Wir werden uns nicht einig sein, aber wenn die trennende Grenze zwischen den verschiedenen Parteien verschwindet, ist schon viel gewonnen.