Noah als Prophet

Wie aus einer Schießscharte blickt Noah aus der sicheren Arche und beobachtet die Welt. Es ist die Welt, die gerade zerstört wird oder schon zerstört ist. Er wusste es besser und versuchte, dem entgegen zu wirken. Er baute nach der Überlieferung im Buch Genesis die Arche und rettete sich, seine Familie und die Tiergattungen, die damals gelebt haben sollen.  Noah gilt als einer der Erzväter, auf die sich das Menschengeschlecht begründet. Er war auch das, was man einen Propheten nennt. Propheten treten auf, weil sie von Gott legitimiert sind. Sie haben eine Botschaft empfangen, die sie mit Sinnen wahrgenommen haben, meisten wurden die Botschaften Gottes gehört oder geschaut. Von dem, was Propheten erfahren haben, sprachen sie zu den Menschen, meist eindringlich, weil ihre Botschaft meistens unbequem war und zu der alltäglichen Praxis im Widerspruch stand. Meist geht es um einen religiösen Weg, den einzelne oder eine ganze Volksgruppe gehen soll. Propheten schwören auf einen gemeinsamen Weg ein, der mit der überlieferten Lehre in Einklang steht oder etwas vollkommen Neues mit sich bringt.
Der Noah, den wir an der Westseite des Noah-Turmes sehen, ist ein anderer Prophet. Er hat sich zurückgezogen und schaut auf die Welt. Er sagt nichts, dafür spricht auch die Beobachterposition, die er aus der Höhe eingenommen hat. Er schaut. Das ist eine Eigenschaft von Propheten, die nicht so sehr im Mittelpunkt des Interesses steht, und doch so wichtig ist. Wer etwas zu sagen hat, der muss wissen, wovon er spricht. Deshalb sind Propheten solche, die gelernt haben mit offenen Augen durch die Welt zu laufen. 
Sie können sehr genau beobachten und wissen, was um sie herum geschieht. Nur so können sie auch Missstände, die es gibt, aufdecken. Notgedrungen muss Noah die Welt betrachten und sich seine Gedanken darüber machen. Er ist gezwungen, in der Arche zu bleiben. Er kann jetzt nichts verändern und es ist auch niemand mehr da, der seine Botschaft hören könnte. Noah ist ein Prophet, der warten muss, bis seine Zeit gekommen ist. Und sie kommt. So, wie er jetzt in der Arche sitzt und schaut, sind ihm die Hände gebunden. Er kann nichts tun. Aber das macht er richtig. Er hält die Augen auf.