Die Gestalt des Noah ist positiv besetzt. Er hat mit dem Bau der Arche einen wichtigen Anteil daran, dass das Leben weitergeht und dass es gut weitergeht. Aber diese Zeit ist vorbei, die Bedrohungen sind geblieben oder kommen immer wieder. Wo sind diese Menschen, die zur Rettung der Welt schreiten und die neues Leben ermöglichen? Wem können wir trauen, dass es weitergeht? Wer sorgt für einen Neuanfang? Uns fallen die PolitikerInnen ein, die mit Programmen versuchen einen bestimmten Teil zu schützen. Aber selten haben sie das Ganze im Blick. Da gibt es die ExpertInnen, die WissenschaftlerInnen, die in ihrem Fachbereich kluge Vorschläge unterbreiten, die aber in anderen Lebensfeldern fatale Auswirkungen haben. Und es gibt die PhilosophInnen, damit meine ich alle GeisteswissenschaftlerInnen, die große Linien vorzeichnen, denen es aber nicht gelingt, die kleinen praktischen Fragen des Alltags zu lösen. Die Frage bleibt: Wer rettet die Welt? Wem vertrauen wir unser Leben und das der nachfolgenden Generationen an? Denn eines ist klar: Das, was jetzt getan oder nicht getan wird, verändert das Leben, das gegenwärtige und das zukünftige.
Emil Wachter hat an der Südseite des Noah-Turms den anderen Noah dargestellt. Es ist der, der all unsere Fragen verkörpert aber unfähig ist, eine gute Antwort zu geben. Feist sitzt er da, die Mundwinkel nach unten gezogen. Er kennt sich aus, sein Blick durch die Brille der Gelehrsamkeit scheint arrogant und besserwisserisch. Doch sein Mund bleibt stumm. Er weiß keine Antwort, weder auf die Fragen der Gegenwart noch auf die der Zukunft.
Er hat sich eingerichtet in seiner Welt der Ratlosigkeit. Nur nichts verändern, ja keine Arche bauen, denn das würde heißen, dass wir vor den bestehenden Umständen kapitulieren und uns eingestehen, dass unsere bisherigen Bemühungen nichts gebracht haben. Der andere Noah, der Anti-Noah rettet die Welt nicht, das kann niemand, aber er weiß auch keine Antworten auf die Zukunftsfragen. Wir müssen noch warten bis der richtige Noah wiederkommt oder jetzt die Dinge in die Hand nehmen. Gelehrsamkeit allein rettet nicht.