Mehrfach taucht am Johannes-Turm das Bildnis einer Frau auf, die zwar nicht häufig im Evangelium genannt wird, die aber doch geschickt die Fäden der Macht zu spinnen weiß. Emil Wachter zeigt Herodias, die Frau des Herodes als eine selbstbewusste Frau, die weiß was sie will. Durch ihre Intrige gelingt es, Johannes gefangenen zu nehmen und zu töten. Sie lässt ihre Tochter Salome vor Herodes tanzen. Sie soll sich als Belohnung für diesen Tanz den Kopf des Täufers erbitten. Sie tut es und Johannes wird getötet. Herodias steht im Schatten ihres Mannes, der in der Bibel als äußerst grausam geschildert wird. Er ist der Inbegriff des tyrannischen Herrschers. Aber Herodias steht ihm in Grausamkeit nicht nach. Sie nutzt ihren Einfluss auf ihren Mann, um Politik zu machen. Sie lässt Missliebige umbringen und muss sich nicht einmal die Hände schmutzig machen. Sie schiebt ihre Tochter und ihren Mann vor, und Johannes wird umgebracht.
Es ist das Spiel einer Machtpolitik, die über Leichen geht. Dieses Spiel haben in der Geschichte Männer und Frauen gespielt, jeweils auf ihre eigene Weise, aber alle auf die selbe Art tödlich.
Dieses Spiel unterscheidet nicht zwischen Männern und Frauen, es geht nur um das Durchsetzen der eigenen Interessen und des eigenen Vorteils. Es gab genügend selbstbewusste Frauen, die als Alleinherrscherinnen oder als Gemahlinnen der Herrscher ihre eigene Blutspur durch die Geschichte gezogen haben. Heute fällen wir das Urteil über sie. Das ist aus unserer Sicht auch richtig. Es waren grausame Zeiten, aber die rechtfertigen nach modernen Maßstäben nicht diese Gewalttaten. Heute müssen wir uns die Frage stellen, wenn wir aus der Geschichte lernen wollen: Wie gehen wir mit unserem Selbstwusstsein um? Wofür setzen wir es ein? Brauchen wir es, um eigenen Interessen zu dienen oder doch dafür, dass sich die Menschheit weiterentwickelt? Ich hoffe das zweite!