Glücklich davongekommen

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Diese Frau am Noah-Turm strahlt. Sie hat allen Grund dazu. Nur ein paar wenige Auserwählte haben die große Flut, die über die Erde gekommen ist, überlebt. Sie steht jetzt in der Reihe der Tiere und all derer, die sich über ihren zweiten Geburtstag freuen können. Dabei hat sie nur Glück gehabt. Wenn man der biblischen Erzählung folgt, dann wurde sie nur gerettet, weil sie eine Familienangehörige des Noah gewesen ist. Noah war der Gerechte, der von Gott gerettet werden sollte und damit auch alle, die zu seinem Hausstand gehörten. Doch reicht es auch, wenn man nur mit Glück überlebt hat? Fängt das schwierige Leben vielleicht jetzt erst richtig an? Es ist kein Geheimnis, dass man sich auf dem Glück der vergangenen Tage nicht ausruhen kann. Glück ist zerbrechlich und das, was sich als unverschämtes Glück erwiesen hat, kann zur unzumutbaren Herausforderungen werden. Wie oft zeigt, sich dass sich das Glück wandelt und sich in sein Gegenteil verkehrt. 
Die Situation des Neuanfangs nach der Sintflut trägt diese Zwiespältigkeit in sich. Die Freude über die Rettung und die Tatsache, überhaupt eine Chance für einen Neubeginn bekommen zu haben, darf sein. Sie gehört dazu. Man sollte sie auskosten, solange sie eben dauert. Und da bricht sich auch schon die andere Seite Bahn. Das Neue, das ansteht, birgt viele Gefahren bis dahin, dass es wieder so weit kommt, wie es vor der Flut gewesen ist. Das gilt es zu vermeiden. An dieser Stelle kommt Religion ins Spiel. 
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Nach der Flut richtet Gott den Regenbogen als Bundeszeichen auf. Das ist ein Symbol dafür, dass Gott nicht mehr strafend eingreift. Damit wird einer Hoffnung Ausdruck gegeben, dass es doch anders kommen wird. Und so verstanden kann das Glück dauern. Nicht nur nach hinten gewandt, dass man davongekommen ist, sondern dass es jetzt auch, getragen von der Hoffnung, sehr viel besser werden kann.  Wenn das kein Grund zur Freude ist, was dann? Wer aus dieser Vorfreude heraus lebt, kann nur glücklich sein und darf glücklich leben.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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