Lass die Kerzen flammen

Wenn es dunkel wird und gemütlich sein soll, zünden wir gerne Kerzen an. Ein gewöhnliches elektrisches Licht tut es dann nicht mehr. Eine Kerzenflamme strahlt Wärme aus. Das sanfte Licht erhellt den Raum nur dürftig. Gleich haben wir die besondere Stimmung, die wir wollen. Wenn wir Kerzen anzünden, treten wir in unsere Wohlfühlzone ein. Wir setzen Kerzen bewusst ein, weil wir nicht mehr wie die Menschen im vorindustriellen Zeitalter auf Kerzenlicht angewiesen sind. Es ist für fast schon eine Flucht in die gute alte Zeit, wir kommen mit einer Sehnsucht in Berührung, die mit Heimat, zuhause, Geborgenheit und Schutz zu tun hat.
Im Lied von den guten Mächten von Dietrich Bonhoeffer lautet die fünfte Strophe: » Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.« Diese Beschreibung unserer Sehnsucht, die wir durch Kerzen ausdrücken, ist sehr eng mit unseren spirituellen Erwartungen und Bedürfnissen verbunden. Kerzen werden angezündet, um die Dunkelheit zu vertreiben, sie verbinden uns mit unserem Inneren, wenn sie die Wärme und die Stille in uns verbreiten. Auch ein kleines Licht leuchtet sehr weit und gibt Menschen eine Orientierung. Dort, wo dieses Licht brennt, ist jemand, der wartet. Das Licht leuchtet durch die Nacht hindurch. So brennen auch die Kerzen in der Westfront der Autobahnkirche. Sie sind nach Sonnenuntergang, in die Nacht hin ausgerichtet. 
Sie geben uns Orientierung und den Seelenfrieden, nach dem wir uns sehnen. Sie sind ein Zeichen von Verbundenheit. Nicht umsonst brennen auf unseren Friedhöfen viele Kerzen, die uns mit den Verstorbenen verbinden. Wenn Kerzen flammen, sind wir mit allen, den Lebenden und den Toten verbunden und daheim bei uns selbst.
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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