Mit den Augen verführt

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Wir sind hauptsächlich Augenmenschen. Die meisten Informationen über unsere Umwelt bekommen wir durch unseren Gesichtssinn vermittelt. Im Schauen lernen wir die Welt kennen und erkennen, was ist. Die Werbung macht sich das zunutze. Strategen wissen, wie sie uns ihre Botschaften vermitteln müssen, damit wir darauf anspringen. Jede und jeder weiß, wie empfänglich wir für ihre Botschaften sind. Wenn dann noch Bilder von Menschen eingesetzt werden, die uns verführen sollen, dann achtet man besonders auf die Augen. Wir sehen nicht nur viel mit unseren Augen, wir sehen auch auf die Augen der anderen. Der tiefe Blick in die Augen zeigt uns, ob das Gegenüber es ehrlich meint. Wir sind nicht nur mit unseren Augen verführbar, sondern auch durch die Augen anderer.
In der Ostseite der Autobahnkirche wird die Versuchung Jesu in drei Szenen dargestellt. Natürlich taucht der Verführer da auf. Er hat einmal strahlend blaue Augen. Doch die sind nicht echt, das durchschauen wir sofort. Es sieht so aus, als trüge er eine Brille mit blauen Gläsern. Die Augen selbst sind gar nicht zu sehen. Hier täuscht uns der Verführer. Denn würde er mit einem offenen, ehrlichen Gesicht auftreten, würden wir sein Spiel sofort durchschauen. So aber nicht. Seine Worte können nicht überprüft werden durch den direkten Blick in die Augen. Wir sind auf andere Zeichen angewiesen. Es ist nicht die äußere Erscheinung, die wirkt ja sehr seriös. Es liegt an der Botschaft, die er hat. 
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Da sind wir gefragt. Nicht nur auf den ersten Blick kommt es an, sondern auf ein ganzheitliches Begreifen dessen, was um uns herum geschieht. Nicht nur Erkennen mit den Augen, sondern ein Begreifen mit allen Sinnen. Nur wenn wir ganz wach sind, die anderen Sinne, die wir haben, einsetzen, wenn wir dazu auch unseren Verstand und unser Herz einsetzen, dann können wir uns gegen Versuchungen jedweder Art wehren. Es geht also nicht nur um den Augenschein, sondern um alles, was einen Menschen und eine Botschaft ausmacht. Wir brauchen den tiefen Blick, der alles umfasst.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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