Ich bin es nicht wert

Als Johannes der Täufer am Jordan predigte und taufte, wurde er immer wieder gefragt wird, ob er der Messias sei. Mit solch einer Szene beginnt das Johannes-Evangelium: »24 Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer. 25 Sie fragten Johannes: ›Wenn du weder der versprochene Retter bist noch Elija und auch nicht der Prophet, warum taufst du dann die Leute?‹ 26 Johannes antwortete: ›Ich taufe nur mit Wasser. Aber mitten unter euch steht schon der, den ihr nicht kennt: 27 er, der nach mir kommt. Ich bin nicht es nicht wert, ihm die Schuhe aufzubinden.‹« (Johannes 1,24-27, Übersetzung nach Gute Nachricht) Die Darstellung von Emil Wachter am Johannes-Turm zeigt diese kurze Szene. Johannes hebt abwehrend seine Arme und zeigt gleichzeitig in eine andere Richtung. Er zeigt seinen Platz, wenn er sagt, dass er es nicht wert sei, ihm die Schuhe aufzubinden. Im Orient war es damals ein Zeichen von Gastfreundschaft, einem Gast die Schuhe zu lösen. Der Gastgeber macht sich bewusst klein und verrichtet einen Dienst am Nächsten. Man denke da auch an die Fußwaschung durch Jesus beim Abendmahl. Johannes macht sich klein, sein Wert gegenüber dem Erlöser ist verschwindend gering. Hier wird er zum Vorbild für viele, die sich in die Nachfolge Jesu stellten. Immer wieder ertönt der Satz: »Ich bin es nicht wert, dass ...« Bestehende Machtverhältnisse werden so zementiert. Es wird eine Bescheidenheit an den Tag gelegt, die belohnt werden soll. Man macht sich klein, um dann an die höhere Stelle gehoben zu werden. Das war sicherlich nicht die Absicht von Johannes. Im Gegenteil, er verweist ja auf einen anderen. 
So wie es heute oft geschieht, ist es kein Verweis auf den Retter, sondern eine Hoffnung auf eigene Größe und betont eher die eigene Leistung als eine gute Beziehung zu Gott. Es geht nicht darum, uns vor den anderen und vor allem vor Gott klein zu machen, damit wir gesehen werden, sondern wir können immer wieder betonen, wie gut es ist, dass wir Kinder Gottes und unendlich wertvoll sind. Es sind Sätze wie dieser über dIe eigene Wertlosigkeit, die in der Welt gesprochen werden. in der Welt Gottes gelten andere Maßstäbe. Ich glaube nicht, dass darin dieser Satz »Ich bin es nicht wert!« einen Platz hat. 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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