Ungleiche Brüder

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In der Bibel finden sich immer wieder Geschichten von Brüderpaaren. Diese sind sich meist nicht grün und stehen in großer Konkurrenz zueinander. Einer will den anderen überflügeln. Es geht dann darum, die Anerkennung des Vaters zu bekommen oder die Gunst Gottes zu erfahren. Nicht nur in der Bibel finden sich solche Geschichten, in der Weltliteratur taucht dieses Thema immer wieder auf. Ein Brüderpaar aus dem Ersten Testament sticht heraus, denn bei ihnen geht es vordergründig nicht um Konkurrenz. Wir finden eine Darstellung der beiden an der Südtreppe der Autobahnkirche. Emil Wachter stellt dort Mose und Aaron, die sich zwar gegenüber stehen, sich aber auch ergänzen. Mose erhält den Auftrag sein Volk in die Freiheit zu führen, er weiß um seine Schwächen, dass er kein großer Redner ist und immer wieder zur Unbeherrschtheit neigt. Aaron ist der wortgewandte der beiden und der Feingeist der beiden, aber eher zurückhaltend.
Am Ende sind es die beiden, die das Volk Israel mit ihrer Schwester aus der Sklaverei in Ägypten führen. Beide machen Fehler, beide bezahlen dafür einen hohen Preis. Doch sie bringen im Volk Israel unterschiedliche Saiten zum Klingen. Mose schlägt die Brücke zu Gott. Er hält die Nähe Gottes aus und wird der große Anführer. Er erhält das Gesetz und überbringt es den Israeliten. Aaron hält das Volk bei Laune und feiert mit ihnen Feste, unter seiner Leitung werden die ersten Gottesdienste gefeiert. 
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Er wird zum Urbild des Priesters. Beide stehen auf unterschiedlichen Seiten und könnten Konkurrenten sein. Wahrscheinlich sind sie das auch, wenn sie um die Gunst der Israeliten buhlen. Doch viel wichtiger ist, dass die Eigenschaften der beiden gebraucht werden. Zusammen mit ihrer Schwester Miriam verwirklichen sie den Traum der Freiheit und stillen die Sehnsucht eines ganzen Volkes. In Notsituationen sind sie es, die das Volk retten, weil sie zusammenstehen. Sie richten die Schlange auf, die zum Rettungssymbol wird, als eine Schlangenplage die Flüchtenden heimsucht. Am Ende ist Mose der unumstrittene Anführer, der die Israeliten in die Freiheit geführt hat, Aaron wird zur Randfigur, die zwar wichtig ist, aber doch nicht so bedeutsam ist. Das ist ungerecht. Vielleicht können wir den Anteil der Vergessenen in Erinnerung rufen. Hier tauchen sie zumindest als Paar auf.
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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