Glauben und Wissen

Manchmal stößt man bei den vielen Bildern der Autobahnkirche auf solche, die man sich auf den ersten Blick nicht erklären kann. Ratlos steht man davor und braucht eine Weile, bis sie sich erschließen und man eine Spur findet, wie sie gedeutet werden können. So ist es auch mit dem Doppelgesicht an der Haupttreppe, das man sieht, wenn man die Kirche verlässt. Die beiden Gesichtshälften blicke in entgegengesetzte Richtungen, als wäre nur jeweils eine Sichtweise möglich. Entweder - oder. Das linke Gesicht blickt nach unten auf die Erde und es trägt eine Brille, das sichere Zeichen, dass wir es hier mit einem Gelehrten zu tun haben. Er schaut auf das Irdische, er erklärt sich die Welt, so wie sie erscheint. Die Brille ist gewissermaßen das Vergrößerungsglas, mit dem er allem  auf den Grund geht. Dieses Gesicht beschreibt die eine Seite unseres Wesens, die neugierig auf die Welt schaut und nach Wissen strebt. Wissen bezieht sich auf Materielles im weitesten Sinn. Durch die Aufklärung haben wir diese Seite schätzen gelernt. Sie ist unverzichtbar geworden. Ohne das Wissen, das uns die Wissenschaften zur Verfügung stellen, ist unser Leben nicht mehr denkbar.
Das andere Gesicht blickt nach oben. Entweder trägt es auch eine Brille oder die Augen sind ganz weit geöffnet. Hier fällt die Hand auf, die sich ihm von oben entgegenstreckt. 
Wir haben es hier mit der Seite des Glaubens zu tun. Es ist weniger der theologische Glaube, der sich wissenschaftlich begründen lässt, sondern der, der auf Erfahrungen beruht. Diese Erfahrungen sind nicht machbar, sie werden geschenkt. Die geöffnete Hand ist es, die sie gibt. Diesen Erfahrungen können wir uns öffnen, dafür steht das offene Auge. Es ist der Blick nach oben, der sich in den Blick nach innen wandelt und meint die Sichtweise der Mystik. Diese Erfahrung ist durch die ganze Menschheitsgeschichte weitergegeben worden und ist nie verstummt, auch wenn sie zu bestimmten Zeiten mehr unterdrückt war als zu anderen. Für welche Seite entscheiden wir uns? Wissen oder Glauben? Unsere Zeit hat diese Entscheidung zugunsten des Wissens getroffen, die Kirchen beharren auf dem Glauben. Und so wird es unversöhnlich. Ist nicht auch beides möglich? Sind nicht wir Menschen diejenigen, die Glauben und Wissen vereinen?
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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