Himmlische Freuden

Wenn es den Himmel gibt, wie sieht es da aus? Wir können uns keine Vorstellung davon machen, das einzige, was wir tun können, ist, dass wir unsere erlebten Glückszustände in die Ewigkeit hinein verlängern. Doch wir kommen da an Grenzen. Die biblischen Geschichten helfen auch nicht weiter, weil sie lediglich Geschichten sind, die von uns verlangen, dass wir uns positionieren und eine Entscheidung treffen. Jesus bezieht sich in seinen Gleichnissen immer wieder auf den Himmel, aber auch er gibt keine Beschreibung von dem, was und wie es dort sein wird. Im Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Prasser (Lukas 16,19-31) erhält Lazarus als Belohnung für seine Leiden hier auf Erden den Himmel geschenkt, der Prasser landet in der Hölle, weil er schon genug des Guten genossen hat. Auch mit dieser scheinbaren Gerechtigkeit kommen wir nur schwer zurecht, weil wir den Himmel dann als Vertröstung verstehen, um das irdische Leid nicht ändern zu müssen. Doch im Gleichnis, das Jesus erzählt geht es ihm nicht darum. Er möchte zeigen, dass es nicht hilft, wenn einer von den Toten aufersteht, um die Menschen vom rechten Weg zu überzeugen.
Wir brauchen Vorstellungen von dem, was der Himmel ist. Wir brauchen eine Vision vom Ziel des Lebens und der ganzen Schöpfung. 
Denn wir sind ja eingebunden und damit aufgefordert, unseren Teil beizutragen. Wenn wir vergessen haben, was der Himmel ist, dann haben wir auch vergessen, wofür wir leben. Wenn eine Kultur keine Vorstellung mehr vom Himmel hat, dann hat sie auch ihre kreative Gestaltungsfähigkeit verloren. Wir müssen darüber sprechen, wie wir uns einen Himmel vorstellen, was wir mit den »himmlischen Freuden« verbinden, damit wir wissen, wofür wir hier auf Erden leben und arbeiten. Es geht nicht darum, ob wir in den Himmel kommen oder nicht, ja ob es ihn überhaupt gibt. Wichtig ist, uns darüber klar zu sein, wofür wir leben und wie wir dieses Leben gestalten. Dann ist der Himmel hier auf Erden.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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