Die Hölle verdient?

Ein reicher Mann kommt nach seinem Tod in die Hölle, ein armer, der vor dessen Tür lag, findet sich in Abrahams Schoß im Himmel wieder. So erzählt es Jesus in einem Gleichnis im Lukas-Evangelium (Lukas 16,19-31) Vom Reichen schreibt Lukas: »In der Totenwelt litt er große Qualen. Als er aufblickte, sah er in weiter Ferne Abraham, und Lazarus auf dem Platz neben ihm. Da rief er laut: ›Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und meine Zunge ein wenig kühlen, denn das Feuer hier brennt entsetzlich.‹ Aber Abraham sagte: ›Mein Sohn, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten das dir zugemessene Glück erhalten hast, Lazarus aber nur Unglück. Dafür kann er sich nun hier freuen, während du Qualen leidest.‹« (Lukas 16,23-25) Man kann jetzt darüber streiten, ob es die Hölle als Ort der Qualen und der Strafen wirklich gibt, aber das ist nicht die Frage.  Emil Wachter stellt den ehemals reichen Prasser so dar, wie er in Wirklichkeit ist, nackt und ohne Zeichen des Reichtums. Aller Reichtum nützt ihm nichts mehr, er ist reine Existenz und ein leidendes Wesen, so wie es der arme Lazarus zu Lebzeiten war.
Hat der reiche Prasser, wie er immer genannt wird, die Hölle verdient? Muss er in alle Ewigkeit diese Qualen aushalten, weil er in den paar Jahren seiner irdischen Existenz über seine Verhältnisse gelebt hat und die Armen vor seiner Tür nicht gesehen hat. Kann das der Wille Gottes sein, dass Menschen ewig bestraft werden? 
Emil Wachter gibt auch darauf keine Antwort, aber er stellt den Menschen, der am Abrahamstor vorbeigeht, in die Entscheidung: »Sei Dir im Klaren darüber, dass es auf Dich ankommt, das, was Du tust oder nicht tust, hat Konsequenzen für Dich!« Wie diese im einzelnen aussehen, darüber lohnt es sich nicht zu spekulieren. Es würde am Ende nur in ein Berechnen und Schachern ausarten. Es geht nur darum, ob und wie wir jetzt leben. Konkret gefragt: Könnte oder wollte ich so ewig leben? Wir sind gefragt und sollen uns entscheiden, ganz gleich, ob es um Himmel oder Hölle geht. Jesus sagt es klar: Es geht um Dich und um Dein Leben.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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