Zuschauen oder Anpacken

Zwei Augen und zwei Hände sehen wir am Abrahamstor der Autobahnkirche. Sie stehen für die wichtigsten Tätigkeiten des Menschen. Augen und Hände sind wohl ausschlaggebend gewesen, dass wir unsere Kultur hervorgebracht haben. Es ist wichtig, dass wir uns unsere Welt, in der wir leben, erschließen. Dazu brauchen wir einen guten Blick für das, was ist. Vor allem aber auch den Blick dafür, wie es ist. Da wirkt natürlich unser Verstand im Hintergrund. Und wenn wir erkannt haben, was und wie etwas ist, dann können wir im wahrsten Sinn des Wortes zugreifen und gestalten. Ohne unsere Hände wären wir machtlos. Sie werden von unserem Verstand gesteuert, wir haben hoffentlich einen Plan davon, was wir tun und wie wir unsere Welt und unser Leben gestalten .
Mit Augen und Händen zusammen schaffen wir an der Welt, bewältigen wir das Leben, erobern wir uns unseren Lebensraum, zunächst einmal unabhängig davon, ob das zum Guten oder Schlechten führt. Da liegt auch das Problem. Was ist, wenn das, was wir tun, uns nicht unbedingt weiterbringt? Oder gar so weit, dass wir über den Abgrund hinunterstürzen? Wäre es da nicht besser, nichts zu tun, weil es gefährlich sein kann? Wir sind von Natur aus vorsichtig. Wir wissen, dass Veränderungen eine eigene Dynamik entwickeln und nicht zu dem Erfolg führen, den wir erwartet haben. Also beschränken  wir uns darauf, eine Situation erkannt und verstanden zu haben. Das ist eine gefährliche Einstellung, mindestens genauso gefährlich wie einen Fehler zu machen. Denn dann geschieht nichts, alles bleibt wie es ist und es wird nichts besser. 
Wer etwas tut, wer handelnd eingreift, kann Fehler machen. Aber den größten Fehler hat der- oder diejenige gemacht, der oder die die Hände in den Schoß legt und nichts tut. Die Erkenntnis, die wir durch ein gutes Hinschauen erlangt haben, ruft danach, dass wir eingreifen. Selbst wenn dieses Handeln gefährlich ist, so ist des doch Teil unserer Berufung. So setzen wir Kreativität frei und sehen, dass sich etwas verändert. Dass wir Augen und Hände einsetzen, hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt stehen, zum Guten und zum Bösen!
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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