Wir sind doch Sternenstaub

Die Gestirne haben die Menschen immer schon fasziniert. Waren sie früher noch die Verkörperung der Götter, so sind sie heute Ziel von Fantasien und Wünschen. Sonne, Mond und Sterne lassen uns erahnen, wie klein und unbedeutend wir sind, aber auch dass die Welt und wir etwas Großes und Einzigartiges an uns haben. Unsere Sonne, der wir alles Leben verdanken, ist nur ein kleiner Stern unter Milliarden anderen Sonnen in unserer Milchstraße. Diese ist auch nur eine eher kleinere Sterneninsel im Kosmos. Das, was wir sehen und was wir sind, ist das Produkt von mehreren Prozessen der Entstehung und Vernichtung von Sternen. Die Atome, aus denen wir zusammengesetzt sind, wurden in Sternen wie unserer Sonne ausgebrütet. Es ist ein Werden und Vergehen, das uns der Blick in den Sternenhimmel zeigt.
Wir selbst sind Sternenstaub. Wir tragen diese kosmische Materie in uns, wir selbst nutzen sie, verändern sie und lassen sie auch wieder los, und das nur mit dem Häuflein Materie, das wir auf unserer Erde vorfinden. Wenn wir zu den Sternen schauen, dann staunen wir ob der Größe und der Erhabenheit des Universums. Wir erleben, wie wir eingebunden sind in den Kosmos, wie wir Teil eines riesigen Ganzen sind. Wir ahnen unsere Kleinheit und Gebrochenheit, lernen aber auch, dass das, was uns unveränderlich erscheint, selbst dem Prozess von Werden und Vergehen unterworfen ist. Wir können es nur deshalb nicht fassen, weil wir die Veränderungen nicht wahrnehmen, weil es so unvorstellbar lange Zeiträume sind, in denen sie geschehen. Wir werden dann ziemlich kleinlaut, weil uns bewusst wird, dass wir selbst mehr Staub als Stern sind.
Wir haben aber auch etwas Sternenhaftes an uns und in uns. Die Würde des Lebens, die Einzigartigkeit unseres Daseins, hervorgehoben durch die Begrenztheit unserer Lebensspanne macht uns zu etwas Leuchtendem, Strahlenden. Wir tragen dieses Sternengleiche in uns, wir waren Teil von Sternen, wir werden wieder Teil von Sternen sein und wir sind Sterne. Es liegt an uns, ob und wie wir strahlen, ob wir etwas von der Größe und Einzigartigkeit unseres Daseins zum Leuchten bringen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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