Verliese der Macht

Ein Kennzeichen von totalitären Systemen ist es, dass Menschen weggesperrt werden und niemand weiß, wo sie geblieben sind. Schmachten sie noch in irgendwelchen Verliesen, werden sie gefoltert oder sind sie schon lange tot und ihre Leichen beseitigt? Diese Vorstellungen, vor allem aber die Mutmaßungen über ihr Schicksal wird von den Machthabern ganz bewusst eingesetzt, um bei den Menschen Angst zu schüren und jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Nur hinter vorgehaltener Hand traut man sich, über das zu spekulieren, was in den Kellern der Staatsgefängnisse geschieht. Alle haben Angst vor staatlicher Willkür und resignieren vor einer übermächtigen und unberechenbaren Gewalt. Widerstand wird im Keim erstickt und die Macht derer, die sie in Händen halten, gestärkt und auf lange Zeit hin fest zementiert.
In der Westfront der Fenster in der Autobahnkirche sehen wir solch einen Kerker. Wir sehen Jesus, den Schlägen der Schergen hilflos ausgeliefert. Dazu einige, die sich an seinem Schicksal weiden und voller Genugtuung zusehen, wie dieser Mensch leidet, gebrochen und zugrunde gerichtet wird. Das Schicksal Jesu steht für die vielen unschuldigen Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt, deren Verbrechen einzig darin bestand, gegen die herrschende Macht aufzubegehren. Die Ungerechtigkeit, gegen die sie sich wehren, wird mit ihrem Schicksal fortgeschrieben. Hier wird die Ungerechtigkeit der Verhältnisse angesprochen. Wie viele Menschen im Verlauf der Geschichte, vor allem aber auch in den letzten hundert Jahren wurden auf diese Weise zu Opfern?
Ihre Schmerzensschreie sind verhallt, ihr Klagen und das ihrer Angehörigen weitestgehend verstummt, aber ihr Schicksal bleibt durch dieses Fenster im Bewusstsein. In allen Zeiten gab und gibt es diese heimlichen Verliese, von denen niemand etwas wissen soll. Aber man weiß, dass es sie gibt. Es darf nicht so weit kommen, dass sie vergessen werden. Halten wir die Erinnerung an die Opfer wach, setzen wir uns ein für all jene, die es selbst nicht mehr können. Nehmen wir dieses eine Fenster der Autobahnkirche als Mahnung mit.
Ansprechpartner
Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Veranstaltungen
Di. 06.10.2026
Kontemplation
Di. 13.10.2026
Kontemplation
Di. 20.10.2026
Kontemplation
Di. 27.10.2026
Kontemplation

weitere Veranstaltungen ...
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.