Das goldene Kalb

Es ist zum geflügelten Wort geworden, das goldene Kalb. Die Israeliten in der Wüste haben es anstelle des abstrakten Gottes, den Mose ihnen verkündet hat, verehrt. Wahrscheinlich handelte es sich dabei aber nicht um die Abbildung eines Kalbes, sondern um die Darstellung eines Stieres. Man geht davon aus, dass die ursprüngliche Gestalt des Gottes Israels die eines Stiergotts war, der auch in Form von Stierbildern verehrt wurde. Dass im Buch Exodus von einem Kalb die Rede ist, wird der Tatsache geschuldet sein, dass die Verehrung eines kleinen Kalbes eher lächerlich ist. Der Autor macht sich lustig über die Verehrung dieses Götzenbildes. Wenn wir heute von goldenen Kälbern reden, dann meinen wir kleine Alltagsgötter, die wir verehren, denen wir alles, was uns wichtig ist, unterordnen. Meist sind materielle Dinge gemeint.
Wenn das Volk Israel wieder dazu übergeht, ein Stierbild in ihrer Mitte aufzustellen, ja sogar alles Wertvolle, das sie haben, zu dessen Herstellung verwenden, dann ist das ein Rückfall in alte Verhaltensmuster. Man legt das, was man immer gemacht hat und das man gewohnt ist nicht so einfach ab. Die Verehrung von Göttern gehört unbedingt dazu. Es waren die Dinge, die Halt gegeben und Sinn gestiftet haben. Man braucht sie, um das Leben zu bewältigen. Anscheinend war die Alternative, die Mose den Israeliten angeboten hat, auf den ersten Blick sehr mächtig, er hat das Volk begleitet und gerettet. Er war aber auch sehr weit weg und kaum fassbar. Es war eine Gottesvorstellung, die sehr menschliche Züge hatte, aber unnahbar auf einem Berg gethront hat. Wir Menschen brauchen greifbare Vorstellungen, damit wir etwas wirklich denken können.
Wenn ich Gott in einem Abbild sehe, dann mache ich Gott für mich greifbar, verständlich, ich reduziere Gott auf eine paar wenige Eigenschaften und mache Gott mir gefügig. Dagegen kämpft Mose an und weist das Volk zurecht. Er zerstört die Gesetzestafeln und der Bund kommt zunächst nicht zustande. Unsere Götter, die wir oft im Materiellen verehren, machen wir uns ebenso gefügig und meinen, dass wir sie beherrschen können. Das gibt uns aber kaum Lebenssinn. Man hat ein vordergründiges Ziel, aber das trägt nicht auf Dauer. Die Frage für uns muss also lauten: Wie sieht ein Gott aus, den ich verehren kann und will?
 
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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