Tyrannische Willkür

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Es ist heutzutage ein eindeutiges Zeichen, wenn der Daumen nach unten zeigt. Vielleicht haben wir noch Bilder von Peter Ustinov als Nero im Kopf, wenn er in »Quo Vadis« mit einem simplen Zeichen bei den Spielen in der Arena über Leben und Tod entscheidet. Bei Herodes in der Krypta der Autobahnkirche sehen wir den nach unten gerichteten Daumen. Es ist das Zeichen für den Tyrannen, der willkürliche Entscheidungen trifft, die sich nicht an Recht und Gerechtigkeit halten, sondern von seinen jeweiligen Launen abhängig sind. Ob es Angst ist, die sein Handeln antreibt, Machtkalkül oder einfach nur eine Laune ist dabei unwichtig. Tyrannen entscheiden willkürlich und die Menschen, die ihnen hilflos ausgeliefert sind, haben nichts mehr zu Lachen, sondern nur noch Angst. Es gibt dann keine Freiheit mehr, alles ist von der Angst vor dem Herrschenden geprägt. Wir müssen da nicht nur die Cäsaren des römischen Imperiums denken, auch die Machthaber in Europa im Zwanzigsten Jahrhundert und die Despoten, die weltweit immer wieder die Macht an sich reißen, können Tyrannen sein. Immer wieder stehen die Errungenschaften der Demokratie auf dem Prüfstand und werden von verschiedenen Seiten angegriffen.
Gibt es angesichts dieser bedenklichen Entwicklungen überhaupt ein Mittel gegen diese Tyrannen? Können wir der Willkür einer herrschenden Clique etwas entgegensetzen? Oft sind, und das haben wir im letzten Jahrhundert schmerzlich erfahren müssen, die politischen Mittel begrenzt, wenn zuviele Menschen sich einer Ideologie verschreiben. Es geht jetzt auch nicht darum, zu ganz konkreten Handlungsschritten anzuleiten. Vielmehr ist zunächst eine andere Haltung und Einstellung gegenüber staatlicher Macht und Gewalt gefragt. Kritisches Hinterfragen kann verhindern, dass Despoten an die Macht kommen.
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Ein Handeln aus dem Geist des Evangeliums, das immer wieder die Würde des Menschen und seine Rechte ins Spiel bringt, kann eine Spur sein. Hilfreich ist auch der konkrete Blick auf den Menschen an unserer Seite,der unsere Hilfe braucht. Augustinus hat einmal gesagt: »Liebe und Tue, was du willst.« Das ist der Weg. Es sind dann keine willkürlichen und aus der Laune heraus geborenen Gesten, sondern überlegtes und am Menschen orientiertes Handeln. Liebe als Mittel gegen Tyrannei.
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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