Zeit unter den Augen Gottes

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»Meine Zeit steht in deinen Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.« Dieser Refrain eines bekannten neuen Kirchenliedes von Peter Strauch bringt etwas zum Ausdruck, was wir mit unserem Intellekt nicht zeigen können: Zeit vergeht und wir verstehen nicht wie. Wir erleben Zeit als etwas, das auf eine besondere Art eine Richtung hat. Wir können sie nicht beschreiben und doch spüren wir, dass sie verrinnt. An unseren Uhren sehen wir, wie Zeit vergeht, aber was wir das sehen, ist nicht die Zeit, sondern nur eine Maßeinheit, die sich Schritt für Schritt verändert und addiert bzw. weniger wird, so wie bei der Sanduhr. In der Darstellung von Emil Wachter sehen wir aber nicht nur die Sanduhr, sondern auch zwei Augen rechts und links davon. Ich sehe darin die Augen Gottes.
In der griechischen Mythologie war die Zeit - Chronos - einer der ersten Götter überhaupt. Menschen konnten sich die Zeit nicht anders erklären, als dass sie göttlichen Ursprungs ist. Es ist vielleicht die einzige Möglichkeit, von etwas Geheimnisvollen wie der Zeit zu reden, indem ich sie zu einem mindestens genauso großen Geheimnis in Beziehung setze. Auch wenn ich selbst nicht verstehen kann, wie die Zeit beschaffen ist, so lasse ich sie doch unter den Augen Gottes verstreichen. So kann ich all dem auch einen Sinn geben. Wenn die Zeit unter den Augen Gottes verrinnt, wenn sie in den Händen Gottes liegt, wird sie für mich leichter zu ertragen, ich kann sie gut schultern, wie hier dargestellt. Unter den Augen Gottes verrinnt sie nicht sinnlos, sondern sie hat einen Nutzen, sie gibt mir und meinem Dasein einen Sinn. Auch wenn ich die Zeit, die verronnen ist, nicht zurückholen kann, so kann ich doch im Bewusstsein weiterleben, dass sie nicht vergebens verflossen ist.
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Ich verstehe es nicht, was tagtäglich über mich hereinbricht, aber wenn ich es Gott anheim gebe, dann gebe ich dem Ganzen einen tieferen Sinn. Zugegeben, das ist eine religiös geprägte Lösung, aber ich kann, wenn es um das Geheimnis der Zeit geht, die selbst etwas religiöses darstellt, keine anderen Lösungen finden. Ich muss mich auf dieses Feld einlassen, sonst könnte ich gar nicht damit leben. Wenn die Zeit bei Gott geborgen ist, dann habe ich die Hoffnung, dass ich es auch bin und mein Leben mit.
 
Ansprechpartner

Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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