Dann ist ja alles geregelt

Ist das jetzt Jubel und Freude oder schlägt da jemand vor Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen? Elischa wurde gerade als Nachfolger von Elia berufen, bevor dieser mit dem Feuerwagen in den Himmel aufgefahren ist. Elischa hatte vorher mehrmals betont, dass er Elija nicht verlassen werde. Plötzlich fand er sich als dessen Nachfolger wieder: »Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor. Elischa sah es und rief laut: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter! Als er ihn nicht mehr sah, fasste er sein Gewand und riss es mitten entzwei. Dann hob er den Mantel auf, der Elija entfallen war, kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. Er nahm den Mantel, der Elija entfallen war, schlug mit ihm auf das Wasser und rief: Wo ist der HERR, der Gott des Elija? Als er auf das Wasser schlug, teilte es sich nach beiden Seiten und Elischa ging hinüber.« (2 Könige 2,11-14, Übersetzung: Einheitsübersetzung 2016) Wenn man so etwas erlebt, dann kann es einem nur angst und bange werden.
Elischa nimmt seine neue Rolle an und erlebt gleich, dass nicht nur die Autorität des Elia auf ihn übergegangen ist, sondern auch seine Macht und das Vertrauen Gottes. Er erfährt, dass Gott bei ihm ist und dass seine Kraft von dort her kommt. Er versucht fortan, das Vertrauen, das in ihn gesetzt wurde, zu rechtfertigen. Er setzt das Wirken von Elia fort. Ist es nun Angst oder Freude, die ihn antreibt? Schwer zu sagen, aber wenn man sich das Schicksal von Elia vor Augen führt und weiß, wie oft er niedergeschlagen und entmutigt war, dann kann auch Elischa nicht freudig und frohgemut dieses Amt übernommen haben.
Im Gegenteil, ich sehe ihn so, dass er entsetzt ist, denn von einem Augenblick auf den anderen war er allein, sein Lehrer war verschwunden und er hatte auf einen Schlag die wunderbaren Fähigkeiten von Elia übernommen, mit denen er jetzt umgehen musste. »Würden bringen Bürden«, so sagt man und diese Bürde muss Elischa jetzt alleine tragen. Man kann diese Geste noch als eine Hilfeschrei an Gott deuten: »Wie soll ich das schaffen, wenn du mir nicht hilfst?« Und so hebt er flehend die Hände nach oben und hofft, dass er seiner Aufgabe gerecht wird. Da ist er so wie wir!
 
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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