In Ewigkeit

Im Vaterunser geht uns dieses Wort wie selbstverständlich über die Lippen. Im Gottesdienst taucht es immer wieder auf und wird doch kaum thematisiert. Es ist ein schwieriges Wort. Noch schwieriger ist es, die Wirklichkeit, die damit verbunden ist, zu verstehen. Was bedeutet Ewigkeit? Was ist ewig?
Wir kennen zwei verschiedene Deutungsstränge. Der eine ist die Zeit, die in unzähligen Einheiten ewig fortschreitet, es ist die Zeit, so wie wir sie erleben, ins Unendliche fortgesetzt. Das ist die Ewigkeit, die Angst macht, weil wir zwar eine Erfahrung davon haben, dass Zeit vergeht, wir uns aber nicht vorstellen können, was das für eine unendlich fortschreitende Zeit bedeutet. Das liegt auch daran, dass wir mit dem Begriff der »Unendlichkeit« ähnliche Schwierigkeiten haben. Unser Denken funktioniert nur, wenn es Grenzen erlebt, in denen es sich realisieren kann. Fallen diese Grenzen weg, dann stürzen wir ins Bodenlose und verlieren den Halt unter den Füßen. Wir haben vielleicht eine Erfahrung des Zeitflusses, aber wie Zeit vergeht, wissen wir nicht, das können wir nicht begreifen.
Es gibt noch ein anderes Verständnis von Ewigkeit. Jetzt geht es um die Abwesenheit von Zeit. Wenn es keine Zeit mehr gibt, dann ist Zeitlosigkeit, dann ist Ewigkeit. Auch diese Form können wir uns nicht vorstellen, weil wir als zeitliche Wesen immer schon in Zeiteinheiten leben und denken. Doch diese Ewigkeit ist erfahrbar. Wir kennen Augenblicke, in denen die Zeit keine Rolle spielt. Dann ist einfach nur die Erfahrung des Jetzt, es gibt kein Vorher und kein nachher, sondern nur das Jetzt. Dieses Jetzt - Meister Eckhart spricht vom »Nun« - ist die Ewigkeit, von der in der Mystik immer wieder die Rede ist. Es gibt keine wissenschaftlich messbare Ewigkeit sondern nur eine, die der direkten Erfahrung zugänglich ist, die wir nicht mitteilen können.
Diese Ewigkeit kommt im Gottesdienst ins Spiel und auch im Vaterunser. Wenn wir so von Ewigkeit reden, dann treten wir immer dann, wenn wir Gottesdienst feiern, in die Ewigkeit Gottes ein. Zeit spielt keine Rolle mehr, wir sind im Jetzt. So verstanden wird auch die Aussage aus dem Vaterunser zu einer Beschreibung der Erfahrung, dass wir in der Gegenwart Gottes sind, für immer und ewig.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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