Lamm Gottes

Das Lamm ist ein christliches Symbol, dass sehr schnell auf Jesus hin gedeutet wurde. Er wird als das Lamm bezeichnet, das die Sünden der Welt getragen hat, das Lamm, das zur Schlachtbank geht als Opfer für die Sünden aller Menschen. So wird auch das Agnus Dei, das Lamm Gottes in jeder katholischen Messfeier gebetet. Diese Texte nehmen unter anderem Bezug auf die Opfertiere, die im Tempel von Jerusalem geschlachtet wurden, um sich mit Gott auszusöhnen. Der Opferkult ist ein menschliches Grundbedürfnis. Ich gebe Gott etwas, das mir wert und teuer ist, dafür stehe ich fortan unter dem Segen Gottes. Mit Jesus und seinem Tod am Kreuz ist das letzte Opfer vollzogen, Gott in alle Ewigkeit mit uns versöhnt, so eine Deutung des Geschehens vom Karfreitag. In der Offenbarung des Johannes kommen alle Völker zum Lamm, um es anzubeten, es ist der Beginn einer neuen, einer himmlischen Zeit. Und in dieser Funktion sehen wir auch das Lamm als zentrales Bild in der Autobahnkirche in der Westfront der Fenster.
Obwohl verwundet, man sieht das Blut des Lammes in Form des Kreuzes hinter ihm, steht es lebendig auf dem Altar als wolle es gerade einen Schritt machen. Auch andere Darstellungen in der Kunstgeschichte sehen ähnlich aus. Die Erzählung in der Apokalypse mit der Anbetung des Lammes zielt auf die Unterwerfung der Gläubigen unter dieses Opfer, sie sehen sich in ihrem Heil abhängig von diesem Lamm, das »das Heil mit seinem Blut erkauft hat«. Wir tun uns heute schwer mit diesen Gedanken. Opfer ist uns zunehmend fremd geworden. Und auch mit der Antwort der Gemeinde in der Liturgie, wenn das Brot als Lamm Gottes gezeigt wird, ist schwierig:
»Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.« Sind wir wirklich so unwürdig, dass wir uns Gott nicht nähern dürfen? Ist die Botschaft von Jesus nicht das Gegenteil davon? Sollten wir nicht den Wert unseres Mensch-Seins in den Mittelpunkt stellen, und damit die Zusage, dass wir allezeit von Gott geliebt sind? Dann könnte diese Antwort so lauten: »Herr, ich bin es wert, dass du bei mir bist. Sprich in mir dein Wort, dann werde ich heil.«
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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