Anders heimkehren

In der Erzählung vom Besuch der Weisen aus dem Morgenland im Matthäus-Evangelium begegnen wir genaugenommen Menschen, die aus unserer Zeit stammen können. Sie können es sich leisten, die halbe Welt zu durchqueren, um eine Beobachtung, die sie gemacht haben, zu überprüfen. Sie schließen aufgrund einer besonderen Sternenkonstellation darauf, dass in Judäa ein neuer, großer König geboren sei. Ihm wollen sie ihre Aufwartung machen und für ihn nehmen sie viele Mühen auf sich. Schließlich kommen sie am Ziel an und finden ihre Vermutung bestätigt, aber nicht so, wie gedacht, denn der König wird nicht im Palast in Jerusalem sondern in der Kleinstadt Bethlehem in einem unscheinbaren Haus geboren. Sie kommen an ihr Ziel und sind zufrieden.
Im Traum wird ihnen geraten, so erzählt es Matthäus in seinem Evangelium, dass sie nicht nach Jerusalem zu Herodes zurückkehren, sondern für den Heimweg eine andere Route wählen sollen. Im Evangelium geht es vordergründig darum, dass das Kind nicht in Gefahr gebracht werden soll. Doch für die Weisen hat sich etwas verändert. Sie können gar nicht mehr so zurückkehren, wie sie losgegangen sind. Es ist die Erfahrung vom Reisen, dass man sich dabei verändert, sei es durch die Eindrücke oder Erlebnisse, sei es durch die Zeit, die man an einem anderen Ort verbracht hat.
Für die Weisen hat sich eine grundlegende Verheißung erfüllt: Sie haben gesehen, dass Gott eingreift und dass sich das Gesicht der Welt verändern wird. So tragen sie dieser Veränderung in ihrem Leben Rechnung. Sie haben sich verändert, sie sind auf ihrer Reise andere Menschen geworden. Was liegt dann näher, als dass sie auf einem anderen Weg heimkehren müssen, weil sie nicht mehr den gleichen Weg gehen können. Sie sind anders geworden und ihr Weg ist es auch. Die Weisen aus dem Morgenland ermutigen uns, uns selbst aufzumachen, auch mit dem Risiko, dass wir einen anderen Heimweg gehen müssen und uns verändern werden.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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