Anders heimkehren

In der Erzählung vom Besuch der Weisen aus dem Morgenland im Matthäus-Evangelium begegnen wir genaugenommen Menschen, die aus unserer Zeit stammen können. Sie können es sich leisten, die halbe Welt zu durchqueren, um eine Beobachtung, die sie gemacht haben, zu überprüfen. Sie schließen aufgrund einer besonderen Sternenkonstellation darauf, dass in Judäa ein neuer, großer König geboren sei. Ihm wollen sie ihre Aufwartung machen und für ihn nehmen sie viele Mühen auf sich. Schließlich kommen sie am Ziel an und finden ihre Vermutung bestätigt, aber nicht so, wie gedacht, denn der König wird nicht im Palast in Jerusalem sondern in der Kleinstadt Bethlehem in einem unscheinbaren Haus geboren. Sie kommen an ihr Ziel und sind zufrieden.
Im Traum wird ihnen geraten, so erzählt es Matthäus in seinem Evangelium, dass sie nicht nach Jerusalem zu Herodes zurückkehren, sondern für den Heimweg eine andere Route wählen sollen. Im Evangelium geht es vordergründig darum, dass das Kind nicht in Gefahr gebracht werden soll. Doch für die Weisen hat sich etwas verändert. Sie können gar nicht mehr so zurückkehren, wie sie losgegangen sind. Es ist die Erfahrung vom Reisen, dass man sich dabei verändert, sei es durch die Eindrücke oder Erlebnisse, sei es durch die Zeit, die man an einem anderen Ort verbracht hat.
Für die Weisen hat sich eine grundlegende Verheißung erfüllt: Sie haben gesehen, dass Gott eingreift und dass sich das Gesicht der Welt verändern wird. So tragen sie dieser Veränderung in ihrem Leben Rechnung. Sie haben sich verändert, sie sind auf ihrer Reise andere Menschen geworden. Was liegt dann näher, als dass sie auf einem anderen Weg heimkehren müssen, weil sie nicht mehr den gleichen Weg gehen können. Sie sind anders geworden und ihr Weg ist es auch. Die Weisen aus dem Morgenland ermutigen uns, uns selbst aufzumachen, auch mit dem Risiko, dass wir einen anderen Heimweg gehen müssen und uns verändern werden.
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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