Melodie des Schreckens

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Das Tier aus der Apokalypse, wie es in der Ostfront der Fenster in der Autobahnkirche dargestellt ist, sitzt an einem Tisch und steuert den Schrecken. Es sieht aus, wie jemand, der am Klavier sitzt und spielt. So können wir uns das auch vorstellen. Alles, was geschieht, hat einen Sinn und wird von höchster Seite dirigiert. Hier ist das Böse am Werk und verrichtet präzise seine Arbeit. Immer wieder wurden Menschen mit diesem Wesen identifiziert. Kaum ein Tyrann, der nicht mit dem höllischen Wesen aus der Offenbarung verglichen wurde, und der Vergleich lag ja nahe. Ähnlich wie dieses Wesen Schrecken verbreitet hat, haben Tyrannen und Diktatoren ihre Macht ausgeübt und auf Gewalt aufgebaut. Und sie haben es verstanden, ihre Schreckensmelodie zu spielen.
Gibt es diese Melodie? Die Darstellung von Emil Wachter zeigt es. Allerdings hören wir sie nicht, wir können sie nur ahnen. Auf diesem Klavier gibt es keine weißen, nur schwarze Tasten. Die Krallen an den Fingern sehen hart und spitz aus, als sollte man auch hören, wie die Tasten angeschlagen werden. Es ist eine mehrstimmige und missklingende Melodie, denn jeder Finger spielt einen Ton und sie klingen alle zusammen. Wir hören sie, in den Schreien der Opfer, im Klagen derer, die um ihre ermordeten Angehörigen weinen, in den anklagenden Blicke derer, die hungern, aber auch im Trommelfeuer der Maschinengewehrsalven, im Donnern der Kanonen, im Brummen der Flugzeugmotoren, im kurzen Aufheulen der Drohnen kurz vor dem Einschlag, im dumpfen Klang von Detonationen der Bomben, im verzweifelten Hilfeschrei von Menschen, die verfolgt und gejagt werden oder vor Bombenterror fliehen.
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Man kann die Liste noch lange fortsetzen. Es ist eine vielstimmige Melodie, in der Täter und Opfer miteinander Schrecken verbreiten. Es ist die Musik einer friedlosen Welt, die wir nicht hören wollen, die aber immer wieder an unsere Ohren dringt. Hören wir sie noch oder haben wir gelernt, sie zu ignorieren? Dieses Fenster an der Autobahnkirche erinnert uns daran, dass wir nie vergessen, dass Böses weltweit geschieht. Es hält uns wach. Hören wir hin und überhören sie nicht, diese Schreckensmelodie!
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Das unschuldige Opfer

In mythologischen Religionen braucht es Opfer, um sich mit den Göttern wieder gut zu stellen. Sie sollen besänftigt werden, indem man etwas von dem, was man erwirtschaftet hat oder was einem wertvoll ist, abgibt, es den Göttern opfert. Im Buch Genesis wird Abraham aufgefordert seinen Sohn zu opfern, um seinen Glauben an Gott zu beweisen. Aus heutiger Sicht eine Ungeheuerlichkeit. Ein Gott, der von Menschen fordert, dass sie ihr eigenes Fleisch und Blut opfern, das geht heute nicht mehr. Überhaupt muss die Frage erlaubt sein, ob wir im religiösen Bereich noch von Opfern sprechen sollen. Ein Opfer ist immer unschuldig, es kann nichts dafür, dass es ausgewählt wurde. Im Gegenteil, ein Opfer sollte möglichst rein sein, um sich Gott gegenüber würdig zu erweisen. Je reiner, umso wertvoller. 
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