Werkzeug der Endzeit

An der Ostseite der Fenster der Autobahnkirche sieht man links neben dem Eingang das Tier, das in der Apokalypse erwähnt. Darunter, man könnte es fast schon übersehen aufgrund der Darstellung der Gestalt, sieht man eine Sichel. Sie steht für das jüngste Gericht. Ähnlich wie die Sense ist sie ein Symbol für die Ernte, die am Ende der Zeiten eingeholt wird. Wenn die Sichel zum Einsatz kommt, dann wird das Wachstum beendet. Das, was bisher genutzt wurde an Nährstoffen und Flüssigkeit, muss jetzt reichen, ein weiteres Wachstum ist nicht mehr möglich. Die Pflanze, die geerntet wird, ist fortan abgeschnitten von dem, was sie am Leben erhalten hat. Um geerntet werden zu können, muss diese Verbindung abgeschnitten werden. Die Ernte ist deshalb auch ein Bild, das wir für den Tod verwenden, und das Erntewerkzeug wird zum Werkzeug des Todes.
Dass ein Erntewerkzeug verwendet wird, ist natürlich auch der Zeit geschuldet, in der die Apokalypse entstanden ist. Es ist ein wichtiger Teil der christlichen Verkündigung. Mit dem Tod ist nicht alles aus, im Gegenteil, die Existenz geht weiter. Natürlich auf einer anderen Ebene, die aber von dem, was im Leben getan wurde, abhängig ist. Hier greift das Bild der Ernte, die eingeholt wird. Das was im Leben gewachsen ist, soll im ewigen Leben der Maßstab sein. Und vom Leben hängt es ab, wie erfolgreich die Ernte ist. Die Früchte geben die Grundlage für das ewige Leben ab.
Das kann ein tröstliches Bild sein und so wurde es auch in der Apokalypse verwendet. Als moderne Menschen haben wir aber ein anderes Verhältnis zu dem Erntebild, weil wir nicht mehr so intensive Ernteerfahrungen in einer industriell betriebenen Landwirtschaft haben. Sicheln und Sensen sind eher erschreckend. Sie zeigen die Unabänderlichkeit unseres Tuns - und damit auch die Tatsache, dass das, was geschehen ist, nicht rückgängig gemacht werden kann. Es hängt uns im wahrsten Sinne des Wortes ewig nach. Wo bleibt die Vergebung eines barmherzigen Gottes? Hilft nur die Drohung mit einem zwar gerechten aber unbarmherzigen Endgericht, dass wir ein besseres Leben führen? Hoffentlich nicht!
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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