Mit der Katastrophe versöhnt?

An der Spitze des Noah-Turmes hat Emil Wachter eine Darstellung von Noah angebracht, die zwar passend scheint, für den Betrachter von heute aber einige Fragen aufwirft. Aus der erhöhten Warte blickt Noah auf eine neue Welt, die noch jungfräulich ist. Alle Spuren der Menschen wurden durch die große Flut getilgt, jetzt ist ein Neuanfang möglich. Als wäre nie etwas geschehen, breitet Noah seine Hände segnend über die Erde aus. Sein Gesichtsausdruck wirkt zufrieden, als hätte nicht gerade eine Katastrophe alles zerstört. Noah hat mit einigen Tieren das Strafgericht Gottes überlebt und kann von vorne anfangen. Gott schließt einen Bund mit ihm und seiner Familie, die Heilsgeschichte nimmt einen neuen Anlauf. Das Versprechen Gottes, die Erde nie wieder mit einer Flut diesen Ausmaßes heimzusuchen, wird mit dem Regenbogen als Bundeszeichen besiegelt. So weit so gut.
Was hat es aber mit dem Strafgericht Gottes auf sich? Ist ein Neuanfang der Menschheit möglich, ohne an die Opfer zu erinnern? Die Betrachtung aus der Sicht der Heilsgeschichte macht es sich relativ einfach. Unzählige Menschen und Tiere sind durch die Flut vernichtet worden, Kulturgüter wurden zerstört. Und alles, weil der Wille Gottes nicht befolgt wurde und Menschen sich ihrer Freiheit bedient haben, die ja Teil des Schöpfungsplanes ist. Wir stellen heute andere Fragen, weil wir nicht nur heilsgeschichtlich unsere Welt betrachten. Wie gehen wir mit einem Gott oder der Vorstellung eines Gottes um, der buchstäblich über Leichen geht?
Heiligt das Ziel, einen neuen Anfang zu setzen, alle Mittel? Ja, kann man von Heilsgeschichte reden, wenn dabei so viele Menschen dafür ihr Leben lassen müssen? Der zufriedene Blick von Noah auf die neue Schöpfung lässt mich ratlos zurück. Ist jetzt alles gut? Meine Vorstellung von Gott ist eine andere. Ist es notwendig, das Alte vollständig zu zerstören, um etwas Neues aufbauen zu können? Ist die Apokalypse mit Tod und Vernichtung der einzige Weg zum Heil? Muss erst die Katastrophe kommen, sprich: muss Gott mit aller Macht eingreifen, bis Menschen den Mut haben, wirklich etwas zu verändern? Ich will mich mit den Katastrophen nicht versöhnen.
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Norbert Kasper

Pastoralreferent

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Der ausgebrannte Prophet

Der Prophet Elia kann nicht mehr, er ist lebensmüde, ausgelaugt. Er ist mit seinem Auftrag an die Grenzen gegangen und ist ausgebrannt. Der Tod ist der einzige Ausweg, den er für sich noch sieht. So provoziert er seine Ermordung, er kann sich nicht selbst töten. Durch seine prophetische Tätigkeit hat er sich unbeliebt gemacht und viel Unmut auf sich gezogen. Aber was ist aus seinem Selbstvertrauen geworden? Elia ist immer sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich gegen König Ahab, Königin Isebel und die Priesterschaft am Tempel gestellt. Er war sich bewusst, dass er den Finger in offene Wunden legen wird und er hat das ja auch getan. Er wurde deshalb verfolgt, erhielt Morddrohungen, wurde gesellschaftlich geächtet. Nach heutigen Maßstäben ein Mobbing-Opfer par excellence. Aber das hatte er sich ja selbst zuzuschreiben. Jetzt wurde es ihm aber zuviel. Er will nur noch sterben. 
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