Sündenfall?

Kaum eine Geschichte aus dem Buch Genesis hat so großen Einfluss auf die jüdisch-christliche Welt ausgeübt wie die Erzählung vom Sündenfall von Adam und Eva. Die beiden übertreten das Gebot Gottes, von dem einen Baum nicht zu essen und sie werden mit der Vertreibung aus dem Paradies, mit dem Tod und mit mühsamem Leben bestraft. Es tauchen beim Hören ganz viele Fragen auf, die sich modernen Menschen stellen. Nicht umsonst finden wir diese Szene auch von Emil Wachter am Noah-Turm gestaltet. Der Sündenfall ist ein Mythos, mit dem erklärt werden soll, warum unsere Lebensumstände so sind, wie sie sind. Der Verfasser des Buches Genesis macht den Menschen dafür verantwortlich, der sich gegen das göttliche Gesetz auflehnt. So weit so gut. Aber worin das göttliche Gesetz besteht, wird nicht ganz deutlich. Ist es die Unterscheidung zwischen gut und böse? Aber die ist ja für uns und unser Leben sehr wichtig. Ist es, wie heute oft betont wird, die Absicht, so zu sein wie Gott, wie es die Schlange nahelegt? Doch gottgleich erleben wir uns noch lange nicht, auch wenn es Menschen gibt, die meinen, Gott spielen zu müssen und über Tod und Leben entscheiden zu können. Andere Erklärungen sehen die Entdeckung der Sexualität als diese Ursünde und leiten daraus strenge moralische Einschränkungen ab bis hin zur Definition einer Ursünde, die durch den Geschlechtsakt weitergegeben werden soll. Aber kann das eine Sünde sein, was uns überhaupt erst ins Leben bringt?
Es ist schwierig, einen Sündenfall zu beschreiben, der uns, ganz gleich wie wir es zu fassen versuchen, wichtige Elemente des Menschseins abspricht. Ist es da noch hilfreich, von einem Sündenfall zu sprechen, von einer Sünde als einem bewussten Übertreten göttlicher Gebote? Allein schon der Begriff Sünde ist heute schwierig zu fassen. Es wird wohl immer zeitbedingt bleiben, wie diese Geschichte aus dem Buch Genesis interpretiert wird. Eines können wir aber festhalten: Wir leben nicht mehr im Paradies, wir sind sterblich und haben ein mühsames Leben zu bestehen. Vor diesem Leben können wir nicht davonlaufen. Wir sollten es angehen, nicht erklären, worin eine Ursünde bestehen könnte.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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