Alles hat seine Zeit

Bilderwelt 152 ABK Mose-Turm N - Sanduhr 1zu5.jpgAn den meisten Kirchen hängen Uhren, die uns daran erinnern, welche Stunde es geschlagen hat. Früher waren es die einzigen Hinweise auf die Zeit und sie waren notwendig, um die jeweilige Uhrzeit anzuzeigen. Heute haben Kirchturmuhren weitgehend ihre Funktion verloren, selbst Taschen- und Armbanduhren werden von Smartphones abgelöst. An der Autobahnkirche gibt es keine Uhr, die die Zeit anzeigt. Es taucht nur einmal am Noah-Turm ein Zeitsymbol, eine Sanduhr, auf. Hier an der Autobahn ist man bei aller Hektik, durch die der Alltag bestimmt ist, in einen Raum der Zeitlosigkeit eingetreten. Nicht, dass hier keine Zeit vergeht, aber sie ist nicht so wichtig wie sonst.
Im Buch Kohelet, einem Weisheitsbuch aus dem ersten Testament in der Bibel, philosophiert der Autor über die Zeit und darüber, wie wir mit ihr umgehen können. Er hat kein besonderes Konzept, was wir in der uns zur Verfügung stehenden Zeit tun können. Er bringt es aber sehr deutlich auf den Punkt: »Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.« (Kohelet 3,1-8)
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Wir können nicht frei über die Zeit verfügen, oft werden wir gelebt und haben keine Chance, uns dagegen zu wehren. Wir können uns nicht gegen die Zeit auflehnen, die Sanduhr umdrehen und damit etwas mehr Zeit gewinnen. Doch wir können die Zeit mit dem leben, was sie gerade bringt. Mit der Erkenntnis, dass alles seine Zeit hat, können wir der Schöpfung und unserem Alltag gelassen gegenübertreten, ja, wir können so bewusst in dieser Welt leben, wenn wir allem die Zeit geben (oder lassen), die es braucht.
 
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Was willst du mitnehmen?

Vor der Fahrt in den Urlaub steht das Packen. Ob mit dem Auto oder Flugzeug, ob mit Bus oder Bahn, immer kann man nur begrenzt Dinge mitnehmen. Fragen nach der richtigen Kleidung, den notwendigen Schuhen, Regenschutz, Wasch- und Freizeitutensilien, vielleicht noch ein Buch. Ganz schnell hat man eine Grenze erreicht und muss sich entscheiden, was daheimbleiben muss und was ich mitnehmen kann. Wenn es den Urlaub betrifft, dann fällt die Entscheidung nicht gar so schwer, weil man spätestens nach ein paar Wochen wieder auf alles, was man zum Leben braucht, zurückgreifen kann. Da kann man gerne mal auf etwas verzichten. Ganz anders sieht es aus, wenn man seine Heimat verlassen muss. Was packe ich ein, wenn ich nur einen kleinen Koffer mitnehmen kann? Wie packe ich, wenn ich nur ein paar Minuten Zeit habe, um das Haus zu verlassen vor einer drohenden Katastrophe. Es bleibt kaum Zeit, eine Auswahl zu treffen. Das, was man zurücklässt, ist in der Regel verloren.  Ganz schlimm ist es, wenn man nur das retten kann, was man am Leib trägt. Man konnte nichts mehr packen, man hatte gar keine Entscheidungsmöglichkeit bekommen, sondern musste Hals über Kopf fliehen.
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