Verklärt

Wenn wir in der christlichen Bildersprache die Gegenwart Gottes ausdrücken wollen, dann verwenden wir gerne Gold. Alles, was golden ist, ist zumindest von Gott umgeben oder ist Gott selbst. In gotischen und barocken Kirchen, auf Ikonen ist Gold deshalb auch sehr wichtig. Heute tun wir uns schwerer damit. Emil Wachter verwendet nur einmal in der Autobahnkirche Gold als Stilmittel und das erst über zwanzig Jahren nach Fertigstellung der Kirche: In der Darstellung des verklärten Jesus in der Krypta. Im Evangelium wird das Sein Jesu mit seinen weißen Kleidern, die so weiß sind, wie sie kein Bleicher machen kann, beschrieben. Es ist dieses Weiß, das aus sich selbst heraus strahlt, das Weiß, das Licht ist. Wie anders kann man das darstellen als wenn man strahlendes, leuchtendes Gold verwendet?
Natürlich können wir nicht ausdrücken, was es bedeutet, im Licht Gottes zu stehen. Die Jünger, die Jesus mitgenommen hat, begreifen nicht, was geschieht, die Evangelisten selbst tun sich schwer, das Geschehen so zu beschreiben, dass es nachvollziehbar ist. Wir können mit unseren Fähigkeiten nicht begreifen, was Verklärung eigentlich meint. Genaugenommen haben wir es hier mit einer Ostergeschichte zu tun. Jesus zeigt sich vor seinem Tod schon als Auferstandener, als ein Mensch, der ganz in der göttlichen Wirklichkeit ist. Er ist strahlend weiß, durch und durch leuchtend, ganz und gar von Gott durchwirkt. Vielleicht sind es bildhafte Darstellungen wie dieses Gesicht von Jesus in der Krypta der Autobahnkirche, die uns einen Weg des Verstehens aufzeigen. Es geht nicht um Begreifen, es geht um Schauen und Staunen. Wir können den Verstand beiseite lassen und uns ganz auf das einlassen, was wir sehen. Dann erleben wir es auch. Wir sind wie die drei Jünger, die mit Jesus auf den Berg gestiegen sind.
Wenn es uns gelingt, ohne Angst in diese göttliche Wirklichkeit zu treten, dann hat Verklärung noch eine weitere Dimension für uns: Wir können wie Jesus in diesem goldenen Licht sein, wir müssen es nur zulassen, denn das, was Gott an Jesus getan hat, das hat Gott auch mit uns vor, uns ganz in göttliches Licht eintreten zu lassen.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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