Wenn zwei sich streiten

Vordergründig geht es im Streit zwischen Sarah und Hagar um einen Mann. Aus diesem Stoff ließe sich ein großes Drama schmieden mit Intrigen und Verführungen, mit Schuldvorwürfen und Eifersuchtsszenen. Und wahrscheinlich war das auch zwischen den beiden Frauen so. Im Buch Genesis im 16. Kapitel wird ihre Geschichte erzählt. Weil Sarah kein Kind empfangen konnte, hat sie ihrem Mann die Magd Hagar zur Frau gegeben, dass sie ein Kind von Abraham zur Welt bringen sollte. Als Hagar dann schwanger wurde, brach zwischen den beiden Frauen der Streit darüber aus, wer nun die Vorrangstellung haben sollte. Der Plan von Sarah ging zwar auf, Abraham konnte einen Nachkommen erwarten. Was als kühler Plan ausgedacht war, scheitert an der Lebenswirklichkeit der Menschen. Sarah und Hagar geraten sich in die Haare und können ihren Streit auch nicht gütlich beilegen. Abraham hält sich raus und lässt am Ende Gott entscheiden. Zunächst wird Hagar aufgefordert, weiterhin als Magd zu dienen. Später wird sie mit ihrem Sohn Ismael verstoßen, mit wenigen Habseligkeiten zurück- und ihrem Schicksal überlassen und von Gott in der Wüste gerettet.
Dieser Streit, eine klassische Dreiecksgeschichte, ist eine alte Geschichte. Es geht darum, ob und wie ich vom anderen gesehen werde. Sieht mich mein Partner oder meinePartnerin mich so, wie ich bin? Es geht darum, ob mich Gott ansieht und ob ich noch unter dem Schutz Gottes stehe, wenn sich Verheißungen nicht erfüllen. Und es geht darum, wie weit Gehorsam gehen kann, und ab wann ich mich gegen eine getroffene Vereinbarung auflehnen kann. Aus heutiger Sicht werden wir die Abmachung zwischen Hagar, Sarah und Abraham moralisch verurteilen. Für die damaligen Verhältnisse im alten Orient waren es aber eher normale Verträge. Die geschlossen wurden um eine Blutlinie zu erhalten. Wenn wir aber mit unseren Augen diese Geschichte lesen, dann können wir den Streit zwischen Sarah und Hagar verstehen und auch die Deutung von Emil Wachter nachvollziehen, dass die Welt Kopf steht.
Gefühle lassen sich nicht vertraglich bändigen und eine Einigung nicht möglich. Ob der Preis, den Hagar zahlt gerechtfertigt ist, bleibt dahingestellt. Sie hat sich auf einen Handel eingelassen und hat am Ende auch Teil an der Verheißung Abrahams. Doch sie muss damit leben, dass sie weggeschickt wird. War es das wert?
Ansprechpartner
Kalender
Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
Facebook Like-Box
 Social-Media-Inhalte aktivieren
Veranstaltungen
Di. 07.07.2026
Kontemplation
Di. 14.07.2026
Kontemplation
Di. 21.07.2026
Kontemplation
Di. 28.07.2026
Kontemplation

weitere Veranstaltungen ...
Schott Messbuch
Sonn- und Feiertagsgeläut
Meldungen der Erzdiözese
Hier können Sie sich den Meldebogen für das  "Buch der Verkehrstoten" herunterladen und uns zusenden.