Unsterblichkeit

Unsterblichkeit  ist ein uralter Traum des Menschen - und wahrscheinlich unerfüllbar. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt erstrebenswert ist, unsterblich zu sein. Denn alles, was wir tun und erleben, selbst wenn es noch so sehr auf Dauer angelegt ist, erhält seinen Reiz (und seinen Schrecken) dadurch, dass es begrenzt ist. Ob es jetzt die unendlich lange Lebensspanne ist, oder der Nachruhm, den die Taten oder das Werk eines Menschen hinterlassen, irgendwann weiß niemand mehr von dem, was man getan oder geschaffen hat. In Science-Fiction-Romanen geht es bei der Unsterblichkeit allerhöchstens um Lebensverlängerung. Hat es dann überhaupt noch einen Wert, etwas zu tun, weil es doch wieder verschwinden wird?
Alle Religionen versuchen auf diese Fragen Antworten zu geben. Und sie können doch nur Bruchstücke liefern, die sich schwer zu einem Bild zusammenfassen lassen. Ist Unsterblichkeit das Leben, das auf dieses irdische folgt, von dem wir wissen, dass es begrenzt ist? Ist Unsterblichkeit in diesem Leben erreichbar, so dass ich unendlich viele Jahre lebe? Ist Unsterblichkeit schon dadurch erreicht, dass ich meine Gene weitergebe und zumindest etwas von mir weiterlebt. Oder muss ich wirklich etwas Großes schaffen, das länger als zwei oder drei Generationen im Bewusstsein bleibt, damit ich unsterblich bin? Keines dieser Projekte befriedigt wirklich und wir werden immer wieder auf uns selbst verwiesen mit der Frage: »Reicht dir das aus?«
An der Ostseite des Johannesturmes hat Emil Wachter sein Symbol für die Unsterblichkeit hinterlassen. Es sind die Blütenranken, die sich ineinander um die Spitze winden. Sie sind unentwirrbar und schließen sich zu einem ewigen Kreis. Für Emil wachter sind das die Ranken, die immer wieder in den
Lebensbäumen auftauchen und von der ewigen Dauer des Lebens erzählen. Das ist jetzt keine Antwort auf die Frage, wie wir Unsterblichkeit erreichen können. Aber es verweist auf etwas ganz Wichtiges, nämlich darauf, wie unwichtig diese Frage letzten Endes ist. Angesichts des Wunders des Lebens verlieren Fragen ihre Schwere und Bedeutung. Das Leben ist schön. Mehr ist gar nicht nötig.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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