Geheimnisvoll

Man weiß nicht genau, was Sache ist, und man bekommt auch keine klare Ansage. Diese Situation kennen wir. Wohin soll es gehen? Im besten Fall finden wir uns damit ab, dass etwas ungeklärt bleibt, dass wir ein Geheimnis nicht ergründen können, weil wir zu wenig wissen. Die Alternativen dazu wären Verzweiflung oder Desinteresse, beides hat etwas von Resignation an sich. Doch das Geheimnis bewahrt einen gewissen Reiz, den zu ergründen sich lohnt. Etwas Vergleichbares sehen wir hier. Zwei Unterarme, die in entgegengesetzte Richtungen deuten. Emil Wachter beschreibt diese Darstellung am Johannesturm mit »Das Geheimnis«. Darunter kann man sich sehr viel vorstellen. Wenn beide Arme in unterschiedliche Richtungen deuten ist nicht klar, wo es hingeht. Doch die beiden Arme sind nicht alles, was man erkennt. Da ist noch der Kreis, der beide umschließt. Und hierauf kommt es an.
Wir kennen viel Geheimnisvolles und sind dabei, im Laufe des Lebens das eine oder andere Geheimnis zu lüften. Vieles bleibt verborgen und in unserer spezialisierten Welt gibt es wohl mehr Rätsel, von denen wir zwar wissen, dass sie jemand gelöst hat, aber dieses Wissen uns jetzt nicht zugänglich ist. Und es gibt Rätsel, die dem Verstand für immer verborgen bleiben, das Gefühl aber lösen kann. Und mit solche einem Geheimnis haben wir es hier zu tun. Die beiden Arme stehen für unseren Verstand, der einordnet und bewertet. Am besten in gut oder schlecht, in weiß oder schwarz. Vieles bleibt da auf der Strecke und mit jedem Bewerten bringen wir unsere eigenen Kriterien ins Spiel. Wir sagen, dass etwas gut oder schlecht für uns ist. Somit schließen wir ganz viele andere Möglichkeiten, die verborgen sind, aus. Für diese Vielfalt steht der Kreis, in dem die beiden Arme sich befinden.
Wir bewegen uns jetzt im Raum der Spiritualität. Hier geht es nicht mehr um Wissen, sondern um erahnen, um ein Geheimnis, das wir nicht ergründen können, das wir aber erfahren können. Davon können wir nicht erzählen, weil wir kaum Worte dafür finden und doch erleben wir es. Bilder und Musik, Gedichte und Schweigen drücken diese Erfahrungen aus. Und wie stellen wir das dar? Mit einem Kreis!
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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