Das Heil schauen

Eine der vielen namenlosen Darstellungen eines Menschen, die wir in und an der Autobahnkirche zuhauf finden. So auch dieses Gesicht hier an der Moses-Treppe. Es ist das Gesicht eines alten Mannes. Ich möchte es dem Simeon geben. Simeon hatte die Verheißung erhalten, dass er nicht sterben werde, bevor er den Messias erblickt habe. So berichtet es Lukas am Anfang seines Evangeliums. Simeon verharrt im Tempel und wartet, denn dort muss der Messias ja irgendwann auftauchen, spätestens dann, wenn er seine Herrschaft aufrichtet. Simeon wartet geduldig und wird darüber sehr alt. Er verliert nicht die Hoffnung, er vertraut der Weissagung, die er bekommen hat. Aber er wird darüber auch alt und lebenssatt.
Eines Tages kommen Maria und Josef in den Tempel, um den Segen Gottes auf ihren erstgeborenen Sohn herabzurufen. Und siehe da, Simeon erkennt das Paar mit ihrem Kind in der lauten Geschäftigkeit des Tempels zwischen all den Menschenmassen, die gerade da sind. Er nimmt das Kind auf seine Arme und frohlockt: »Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.« (Lk 2,29-32) Ein Moment, in dem ihm und den Eltern klar wird, wer hier in den Tempel gebracht wurde. Für Simeon erfüllt sich die Weissagung, so dass er jetzt beruhigt aus der Welt gehen kann. Er kann im Bewusstsein gehen, dass das Leben weitergeht, dass das Heil noch nicht am Ende ist. Er muss zwar aus dieser Welt gehen, trotzdem hat er Teil an diesem Heil. Dieses Licht, von dem er singt, leuchtet auch für ihn selbst. Für die Eltern Josef und Maria ist es ein weiteres Zeichen dafür, dass ihr Kind ein ganz besonderes ist. Jetzt erfüllen sich die Weissagungen und die Hoffnungen. Es sind die Hoffnungen, die wir immer wieder mit der Geburt eines Kindes verbinden, denn da erfahren wir, dass das Leben weitergeht.
Vielleicht nicht so, wie wir es uns gedacht haben. Wer Kinder hat und großzieht, weiß darum. Sie sind ein Zeichen für Leben und Lebendigkeit. Und wo das Leben ist, da ist auch das Heil. Wir können es sehen, immer wieder und überall! Wir müssen nur lernen, so wachsam zu sein wie Simeon.
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Treue in der Not

Wenn die Frage nach einem unschuldig Leidenden gestellt wird, wird immer Hiob genannt. Er ist aufgrund einer Wette zwischen Gott und dem Teufel zum Spielball der Intrigen des Höllenfürsten geworden. Und das nur, um die Unerschütterlichkeit seines Glaubens auf die Probe zu stellen. Vergessen wird dabei aber seine Frau, die in der Rahmenerzählung nur zweimal erwähnt wird. Sie wird Hiob nicht genommen, sie steht in aller Not treu zu ihm. Sie verliert wie er Hab und Gut, sie verliert ihre Kinder, ihr bleibt am Ende nur neben ihrem Mann in der Asche, in den Trümmern ihres bisherigen Lebens zu sitzen. Im Gegensatz zu Hiob lehnt sie sich aber auf: »9 Seine Frau sagte zu ihm: ›Willst du Gott jetzt immer noch die Treue halten? Verfluche ihn doch und stirb!‹ 10 Aber Ijob antwortete: ›Du redest ohne Verstand wie eine, die Gott nicht ernst nimmt! Wenn Gott uns Gutes schickt, nehmen wir es gerne an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?‹« (Hiob 2,9-10, Übersetzung Gute Nachricht) Sie lässt sich überzeugen und bleibt treu an der Seite ihres Mannes.
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