Einsatzjacke des Propheten

Woran erkennt man einen Propheten? Vielleicht daran, dass er etwas mitgenommen aussieht? Einer, dem es egal ist, was die anderen über ihn denken und sagen? Oder ist es ein Wunderling, den niemand ernst nimmt? Wahrscheinlich keines von alledem. Woran erkennt man sie dann? Wir möchten Menschen, die eine besondere Funktion haben, erkennen. Deshalb tragen sie Uniformen, die zeigen, was sie tun. Wenn es darauf ankommt, dass schnell gehandelt werden muss, sieht man schon von weitem, wer für was zuständig ist.
Einsatzjacken zeigen nicht, wer man ist, sondern was jemand kann, für was jemand zuständig ist. Und Propheten? Sie haben keine Einsatzjacken an auf denen in Leuchtschrift »Prophet« steht. Am Elia-Fries an der Nordseite der Autobahnkirche sehen wir, wie der Prophet Elia einen Nachfolger beruft und ihm seinen Mantel überwirft. Der Mantel wird zur Einsatzkleidung des Propheten.
Nachdem Elia Gott erfahren hatte, sucht er einen Nachfolger für sich. Im ersten Buch der Könige wird folgendes berichtet: »Als Elia von dort weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elia seinen Mantel über ihn. Sogleich verließ Elischa die Rinder und eilte Elia nach.« (1 Kön 19,19-20)
So ein Mantel ist etwas Besonderes und wir wissen: Kleider machen Leute. Der Mantel von Elia wandert zu Elischa. Von nun an handelt und redet Elischa im Auftrag Gottes mit der gleichen Vollmacht wie Elia. Der Mantel ist das äußere Zeichen für das Prophetenamt. Er geht in den Besitz des Elischa über. Er ist von nun an der Prophet. So war es zur Zeit des Ersten Testamentes. Und heute? Erkennen wir die Menschen, die prophetisch reden?
Sollten wir also darüber nachdenken, ob wir prophetische Einsatzjacken verteilen? Aber haben nicht alle mehr oder weniger die Aufgabe, prophetisch zu reden? Jetzt merkt man, auf was es wirklich ankommt: nicht auf die Kleidung, sondern auf die Erfahrung mit Gott, von der wir erzählen können. Das muss man ernst nehmen, nicht die Kleidung, die jemand trägt, der davon erzählt.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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