Gesetzgebend

Woher wissen wir, was gut ist und was nicht? Wahrscheinlich haben wir  viel darüber in der Kindheit und Jugend gelernt. Durch die Erziehung im Elternhaus, im Kindergarten und in der Schule. Nicht zuletzt im Freundeskreis und auf der Straße haben wir gelernt, wie wir als Menschen leben sollen und welche Regeln wir befolgen müssen. Und wenn wir anders gehandelt haben, mussten wir mit entsprechenden Sanktionen rechnen. Doch woher kommen diese Regeln, die wir wie selbstverständlich aufgenommen haben?
Eine schnelle Antwort, die gerne gegeben wird lautet: Wir haben die zehn Gebote gelernt und versuchen danach zu leben. Aber, so wird eingewand, sie sind nicht mehr zeitgemäß, weil sie ursprünglich für eine Gesellschaft von Nomaden verfasst worden sind. Was macht sie immer noch so attraktiv, dass wir uns heute noch darauf berufen? Eine Antwort gibt Emil Wachter mit seiner Darstellung am Mose-Turm. Gott gibt die zehn Gebote, dargestellt mit den beiden Gesetzestafeln dem Mose in die Hand. Mose streckt seine Hände aus, um sie zu empfangen. Von Gott sieht man nur die Hand. Wie soll man ihn auch anders darstellen? So wird aber eine fast schon eine zärtliche Begegnung aus dieser Übergabe. Das göttliche Gesetz wandert von einer menschlichen Hand in die andere. Emil Wachter stellt den göttlichen Ursprung nicht in Frage. Aber er zeigt auf diese Weise, dass alle Gesetze und Gebote nichts anderes als Menschenwerk sind. Sie haben, je älter die sind, eine hohe Verbindlichkeit. Ihnen wird eine große Autorität beigemessen. Sie gelten unabänderlich und werden immer wieder zitiert.
Eine Frage stellt sich aber doch: Wenn wir es hier mit Menschenwerk zu tun haben, dürfen wir ihre Autorität anzweifeln? Selbstverständlich! Kein Gesetz ist für die Ewigkeit geschaffen.
Jedes Gebot regelt das Zusammenleben von Menschen. So wie sich der Umgang miteinander im Lauf der Zeiten verändert hat und weiter verändern wird, unterliegen auch die Gesetze diesem Wandel. Wir müssen Sie immer wieder daraufhin befragen, ob sie für uns hilfreich sind oder das Leben einengen, ob sie dem Leben dienen oder Angst schüren.
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Bilderwelt der Autobahnkirche
 
  

Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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