Wenn Gott handgreiflich wird

Es gibt verschiedene Zeichen für das Handeln Gottes. Das wohl sprechendste Zeichen ist die Hand. Immer wieder taucht sie als Zeichen für Gott auf. Gott handelt, im wahrsten Sinne des Wortes. Meistens ist es die Hand, die die Menschen und die Welt segnet. Und das meint sehr viel. Segnen bedeutet bezeichnen, schützen, heilen, berühren, streicheln, halten. Die Liste ließe sich lange fortsetzen, und wenn wir von dem reden, was wir mit segnen verbinden, fallen uns sicher weitere Begriffe ein. Es ist die Hand, von der wir konkrete Hilfe erhoffen. Sie ist der beste Ausdruck unseres Sehnens nach einem Eingreifen Gottes in unser Leben.  Wir wissen auch, dass wir mit Händen Unrecht tun und anderen Schaden zufügen. Das Zeichen, das zum Heil gereicht, kann sich in sein Gegenteil verkehren. Das Unheil, das mit Händen angerichtet wird, kann auch nicht immer gut gemacht werden. Vielleicht ist deshalb die Hand das beste Zeichen, mit dem wir Segen ausdrücken können.
Die Hand Gottes ist nicht direkt spürbar. Wir brauchen aber eine sinnliche, handgreifliche Erfahrung davon. Das ist dann der Fall, wenn wir unsere Hände zu den Händen Gottes machen. Mit unseren Händen können wir an der Stelle Gottes handeln. Jeder Mensch kann segnen, jeder braucht den Segen. Und wir sind füreinander da, um uns diesen Segen zuzusagen.
Wir rufen den Segen aufeinander herab, weil wir uns nach der Wirklichkeit Gottes sehnen. Wo, wenn nicht in dem, was wir tun, wird Gott sonst sichtbar? Im Segen zeigen wir unsere Sehnsucht nach Gott. Wir zeigen, dass wir diesen Segen brauchen und vor allem, dass wir füreinander dieser Segen sein können.
Mit unseren Händen zeigen wir konkret, was Gott mit uns vorhat. Mit unseren Händen geben wir dem Ausdruck, was in unseren Herzen ist. Mit unseren Händen tun wir das, was uns zum Segen gereichen kann. So vertreten wir Gott. Deshalb segnen wir einander. Durch uns wird Gott im wahrsten und besten Sinne des Wortes handgreiflich.
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Gargolien

Wir kennen unzählige von ihnen und haben sie auch schon oft gesehen. Von alten gotischen Kathedralen blicken sie auf die Menschen in Form von Wasserspeiern, Brüstungen und als Zierwerk herab. Sie haben unterschiedliche Formen und Gestalten, mal halb Mensch, halb Tier, mal Teufel, mal mit einer dämonischen Fratze, mit Flügeln und aufgerissenen Mündern, zähnefletschend und scheinbar laut schreiend. Die Rede ist von Gargolien, die heute zwar beliebte Fotomotive sind, aber warum es sie gibt, ist weniger bekannt. Wir wundern uns darüber, was diese Früchte des Aberglaubens an einer Kirche verloren haben. Und in der Autobahnkirche taucht mindestens eine von diesen Gestalten in der Krypta auf. Grund genug, um über dieses Relikt abendländischer Geistesgeschichte nachzudenken. 
Die Menschen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatten vor ihrer Umwelt Angst. Der Teufel trieb sein Unwesen, man musste sich hüten, nicht in seine Fänge zu geraten. Dämonen waren überall. Hinter jeder Ecke konnte der Verführer lauern und locken oder erschrecken. Göttliche Mächte standen mit den bösen in einem ständigen Kampf, die Seelen der Menschen sollten die Beute sein, das Leben der Menschen war der Kampfplatz.
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