Mutter des Lebens

An der Nordseite der Balustrade an der Autobahnkirche sehen wir eine seltene Darstellung. Eva, alleine ohne Adam. Sie ist ein selbständiges Wesen, sie ist eine Frau, die ihren Wert aus sich heraus hat. Sie ist ein vollwertiges Geschöpf Gottes, so wie Adam auch. Ihr Name deutet auf ihre Aufgabe hin, das Leben weiterzugeben, das in ihr begonnen hat: »Eva, die Belebte«. Emil Wachter zeigt dies mit ihrer Natürlichkeit und ihrer Weiblichkeit. Die, die selbst belebt wurde, schenkt das Leben weiter, von ihr geht alles Leben aus.
Wir wissen heute, dass die Evolution anders vorgeht und dass die Entwicklung aus einem Elternpaar so nicht stattgefunden haben kann. Aber der Mythos von Eva viel Wahrheit in sich. Wir brauchen für unsere Vorstellung einen Anfang, es ist leichter zu denken, wenn wir wissen, dass eine Urmutter die Trägerin allen Lebens war. So können wir unserem Leben und unserer Existenz einen Sinn geben.
Im Mythos erahnen wir, wie wir entstanden sind. Unser Ursprung verliert sich nicht im Dunkel der Geschichte. Wir haben einen konkreten Bezugspunkt, auf den wir uns beziehen. Unterschiedliches Aussehen, verschiedene Hautfarbe, Größe, Ausstattung und so vieles mehr, all das hat den Ursprung im Urmenschenpaar und ist in der Urmutter Eva herangereift. Wenn wir uns auf die Urmutter, wenn wir uns auf Eva, die Belebte, berufen, dann spielen diese Unterschiede keine Rolle mehr.
Wer den gleichen Ursprung hat, er ist auch untereinander gleich. Unsere Würde als Menschen lässt sich einfacher begründen, wenn wir einen gemeinsames Ursprung haben. Eva steht für diesen Ursprung. So lange wir uns auf sie berufen, schauen wir auf unsere Würde, die in jedem von uns als Gottes Geschöpfe ausgedrückt ist. Im Sündenfall wurde Eva für die Katastrophe des Mensch-Seins verantwortlich gemacht.
Sie wurde herangezogen, um die Sündhaftigkeit des Menschen zu erklären. Es wird höchste Zeit, sie zu rehabilitieren. Sie ist nicht verantwortlich für die Schuld der Menschen, sondern für ihre Würde!
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Rundumversorgung

Hier ist eines der wenigen Bilder ohne einen direkten biblischen Bezug an der Autobahnkirche. Im besten Fall kann man von einem symbolischen Bezug reden zu einem Zustand, den man am besten mit »Schlaraffenland« umschreiben kann. Man stelle sich vor, wenn Bären in Nordeuropa und -amerika zur Zeit der Lachswanderung an den Wasserfällen sitzen und ohne große Mühe Fische im Überfluss fangen können. Zumindest für eine kurze Zeit ist für reichlich Nahrung gesorgt. Das Angebot ist größer, als im Augenblick gebraucht wird. Ja, das ist eine Definition von Paradies, dass man sich um die tägliche Nahrung nicht kümmern muss. Für die Menschen in biblischen Zeiten eine Vorstellung, die sehr reale Züge hatte. Wie oft wurde die Ernte durch Kriege zerstört, wie oft haben Dürren oder Unwetter die gesamte Ernte vernichtet. Das Versprechen, in ein Land ziehen zu können, in dem Milch und Honig fließen, in dem Grundlebensmittel und Konsumgüter in ausreichender Menge vorhanden sind.
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